Sofortimplantate: Ablauf, Vor- und Nachteile

Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc.
Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc.
Veröffentlicht: 10.03.2021
Aktualisiert: 13.01.2026
Lesezeit: 18 Min.

Ein Sofortimplantat wird unmittelbar im Anschluss an eine Zahnentfernung und direkt in das leere Knochenfach eingesetzt.

Dabei wird die natürliche Höhle des gezogenen Zahnes genutzt, um dort das Implantat zu verankern. Die sonst übliche mehrmonatige Heilungsphase des Zahnfaches vor der Implantation entfällt, und Sie können voraussichtlich schon direkt nach der Behandlung, ausgestattet mit einem provisorischen Zahnersatz, nach Hause entlassen werden.

Nachdem das Zahnimplantat endgültig eingeheilt ist, wird das Provisorium durch den definitiven Zahnersatz ausgetauscht, und die Behandlung ist beendet. Das Verfahren ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Nur in wenigen Fällen ist eine Sofortimplantation – durchgeführt von erfahrenen Implantologen – sinnvoll. Die Risiken eines anschließenden frühen Implantatverlusts wiegen häufig schwerer.

Sofortimplantation

Wann kommen Sofortimplantate zum Einsatz?

Ein Sofortimplantat kommt in der Regel nur beim Ersatz einwurzeliger Zähne in Frage. Die Methode findet dann Anwendung, wenn ein einzelner Zahn nicht mehr erhaltungswürdig ist. Das kann z.B. nach einem Unfall mit großer Einwirkung auf den Zahn sein. Wichtig ist, dass Zahnfleisch und umgebender Knochen der geschädigten Region noch vorhanden und intakt sind. Der Knochen muss eine gewisse Stabilität aufweisen. Nur so kann eine feste Verankerung des Sofortimplantats sichergestellt werden.

Bei Entzündungen des Zahnfleischs oder Knochens und bei vorangeschrittenem Knochenabbau ist eine Sofortimplantation nicht möglich. Hier muss zuerst die Grunderkrankung austherapiert und ein ausreichendes Knochenniveau durch Knochenaufbau geschaffen werden.

Aufbau eines Sofortimplantates

Der grundsätzliche Aufbau des Sofortimplantats ist derselbe wie bei einem herkömmlichen Implantat. Es besteht ebenfalls aus einem Implantatkörper, der in den Kieferknochen eingebracht und über einen Aufbau mit dem späteren Zahnersatz, etwa einer Krone, verbunden wird.

Zahnimplantat mit Suprakonstruktion

Der Unterschied besteht lediglich in der Form des Implantatkörpers, speziell in der Form des Gewindes. Dieses liegt mitunter tiefer und sorgt dafür, dass sich das Implantat besser in den Knochen einschneidet und festen Halt gewinnt. Herkömmliche Implantate können aber genauso für eine Sofortimplantation genutzt werden.

Auch sogenannte Zygoma-Implantate werden im Rahmen einer Sofortimplantation bei wenig bezahnten oder komplett zahnlosen Patienten genutzt, um nach dem Prinzip »All-on-4« wieder eine komplette Bezahnung an nur einem Tag zu schaffen. Weitere Informationen zu speziellen Behandlungsmethoden und einzelnen Implantat-Typen finden Sie hier.

Vorteile der Sofortimplantation

Da man nach der Extraktion des Zahnes nicht warten muss, bis das Zahnfach verheilt ist, verkürzt die Sofortimplantation die Behandlung um mehrere Monate und erspart einen zusätzlichen Behandlungsschritt: nämlich das erneute Öffnen des Zahnfleischs und die Bohrung der Höhle für die Aufnahme des Zahnimplantats.

Bei der Sofortimplantation wird ein eigener Implantat-Typ verwendet, der über ein spezielles Gewinde verfügt. Damit soll eine bessere Verankerung und sofortige Stabilität des Implantats im Kieferknochen erreicht werden – schon bevor das Implantat komplett eigeheilt ist. So kann in einigen Fällen das Sofortimplantat schon direkt nach der Behandlung wieder belastet werden.

Nachteile der Sofortimplantation

Viele Patienten wollen sich zusätzlichen Behandlungsaufwand sparen und äußern deshalb den Wunsch nach einer Sofortimplantation im Rahmen einer einzigen Behandlungssitzung. In den meisten Fällen ist hiervon jedoch abzuraten, da das Risiko einer nicht ausreichenden Primärstabilität des Implantats im Kieferknochen nicht zu unterschätzen ist. Findet das Implantat keinen festen Halt im Knochen, kann es der späteren Kaubelastung nicht standhalten und geht verloren.

Die sicherere Variante ist es, nach Abheilung der Extraktionswunde und Verfestigung der Knochenstrukturen die Implantation vorzunehmen.

Was kostet ein Sofortimplantat?

Eine herkömmliche Implantation bewegt sich in einem Kostenbereich zwischen 1.500 und 3.000 Euro.

Sofortimplantationen sind etwas günstiger, da der Behandlungsschritt der Freilegung des abgeheilten Zahnfaches entfällt und somit zusätzlicher Arbeitsaufwand erspart bleibt.

Werden die Kosten für Sofortimplantate von der Krankenkasse übernommen?

Die Krankenkassen machen hier keinen Unterschied zu herkömmlichen Implantaten. Daher ist die Kostenübernahme wie gewöhnlich abhängig von Ihrer Versicherung und der Indikation der Behandlung.

Sie können sich mit Hilfe des Heil- und Kostenplans, den Ihnen Ihr Behandler ausstellt, über etwaige Kostenübernahmen Ihrer Krankenkasse informieren.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur über die Arztsuche möglich. Mehr Informationen finden Sie in unserem Haftungsausschluss für Gesundheitsthemen.

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