Implantatsituationen: In welchen Situationen kann ein Implantat eingesetzt werden?

Dr. med. Dr. med. dent. Thomas MĂŒller-Hotop, M.Sc.
Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Thomas MĂŒller-Hotop, M.Sc.
Veröffentlicht: 10.03.2021
Aktualisiert: 13.01.2026
Lesezeit: 36 Min.

Unser Gebiss ist dem stĂ€ndigen Einfluss verschiedener schĂ€digender Faktoren ausgesetzt. Diese können exogener Natur sein – also von außen zugefĂŒgt – wie z.B. UnfĂ€lle, Tabakkonsum oder mangelhafte Mundhygiene.

Aber auch endogene Faktoren nehmen Einfluss, wie z.B. eine genetische PrĂ€disposition zu vermehrter Kariesbildung oder SchĂ€den durch Erkrankungen. Die Folgen dieser EinflĂŒsse sind unwiderruflich und resultieren frĂŒher oder spĂ€ter im Zahnverlust.

Aber in welchen FĂ€llen muss nun ĂŒberhaupt ein Implantat gesetzt werden beziehungsweise wann ist eine Implantation unumgĂ€nglich? Gibt es Alternativen zur Implantation? Und wenn ja, welche sind das? Das sind wichtige grundlegende Fragen, die im Vorfeld einer Behandlung geklĂ€rt werden mĂŒssen.

Prinzipiell kann ein Implantat jeden Zahn ersetzen, egal ob im Backen- oder Frontzahnbereich, ob einzeln oder in Reihe stehend. Selbst bei zahnlosen Kiefern bieten Zahnimplantate eine gute Möglichkeit, festen oder herausnehmbaren Zahnersatz zu verankern.

Ganz gleich, welcher spezifische Lösungsweg am Ende beschritten wird, folgende Vorgaben sollten immer erfĂŒllt werden. Die Behandlung erfolgt stets leitliniengerecht nach neuestem wissenschaftlichen Stand der Forschung und es wird unter Einhaltung hoher QualitĂ€tsstandards eine fĂŒr den Patienten maßgeschneiderte Lösung gefunden und umgesetzt. DafĂŒr sind nicht zuletzt eine langjĂ€hrige chirurgische Erfahrung und große fachliche Expertise notwendig.

EinzelzahnlĂŒcke

Die GrĂŒnde fĂŒr den Verlust einzelner ZĂ€hne sind vielfĂ€ltig. HĂ€ufige Ursachen sind Karies oder EntzĂŒndungen infolge ungenĂŒgender Mundhygiene, unfallbedingte Traumata – besonders im Frontzahnbereich, oder erfolglose Zahnerhaltungsversuche durch Wurzelkanalbehandlung oder Wurzelspitzenresektion. Ist ein Zahn verloren gegangen, sollte dieser zeitnah ersetzt werden, selbst wenn es aus Ă€sthetischen GrĂŒnden nicht unbedingt notwendig erscheint. Der Grund ist, dass die notwendige AbstĂŒtzung fĂŒr dessen NachbarzĂ€hne und gegenĂŒberliegenden ZĂ€hne fehlt, wodurch diese in die LĂŒcke „wandern“ können. Die Folge ist, dass der ursprĂŒngliche Biss nicht mehr hergestellt werden kann und es zu FrĂŒh- und Störkontakten der ZĂ€hne untereinander mit SchĂ€digung ihrer Zahnhartsubstanz kommt. Weiterhin wird durch die Fehlstellung und Fehlbelastung der ZĂ€hne die Entstehung von Karies und EntzĂŒndungen stĂ€rker begĂŒnstigt.

Um das zu verhindern und den einzelnen fehlenden Zahn zu ersetzen wird hÀufig die Einzelzahnimplantation angewandt. Sie macht ca. 20 % aller Zahnimplantationen aus und ist damit einer der hÀufiger vorgenommenen kieferchirurgischen Eingriffe.

Bei diesem Verfahren wird die LĂŒcke mit einem einzelnen Implantat plus Aufbau und Krone versorgt. Der große Vorteil im Gegensatz zu einer BrĂŒckenversorgung besteht darin, dass keine NachbarzĂ€hne beschliffen werden mĂŒssen und auch kein KnochenrĂŒckgang zu erwarten ist, da dieser durch permanente Kaubelastung vor dem Abbau geschĂŒtzt wird.

Ablauf der Behandlung

Wie bei jeder Zahnimplantation wird zunĂ€chst – nach einer Vorbohrung – die wurzelbildende Implantatschraube (Implantatkörper) im Kieferknochen verankert. Hier ist es wichtig, dass das Implantat einen ausreichenden Abstand zu den Wurzeln der NachbarzĂ€hne besitzt und diese nicht beschĂ€digt. Nach mehrmonatiger Einheilungsphase wird nun der Implantataufbau am Implantatkörper und anschließend die Krone am Implantataufbau befestigt.

Bei der Befestigung der Krone gibt es zwei Varianten, die beide in der Praxis angewandt werden. Sie kann entweder mit Hilfe einer kleinen Schraube am Implantataufbau befestigt werden oder aber fest am Implantataufbau einzementiert werden.

Zweitere Variante ist in den letzten Jahren gĂ€ngigere Praxis geworden, da sie eine sehr stabile Verbindung zwischen Implantat und Krone bietet und weniger zeit- und kostenintensiv ist. Außerdem kann der Schraubenkanal durch die Krone nach außen sichtbar sein und bietet – gerade im Frontzahnbereich – Ă€sthetisch nicht das beste Ergebnis. Der Nachteil des Zementierens ist jedoch, dass nachtrĂ€gliche Änderungen an der Krone oder das Austauschen der Krone aufgrund von eventuellen MaterialschĂ€den nur durch Entfernen des gesamten Aufbaus möglich wird. Bei der verschraubten Variante lĂ€sst sich die Krone schnell lösen und ersetzen.

Seitenzahnimplantat

Die SeitenzĂ€hne unterliegen beim Kauen sehr großen KrĂ€ften. Deshalb muss in diesem Bereich besonders auf StabilitĂ€t durch eine ausreichende Dicke des Implantates geachtet werden. Implantate unter 4 mm Durchmesser sollten hier nicht verwendet werden, da die Bruchgefahr des Implantates oder der Befestigungsschraube sehr groß ist.

Da heutzutage oft zweiteilige Implantate verwendet werden – Implantatkörper und -aufbau sind zwei einzelne, zu verschraubende Teile – lĂ€sst sich prinzipiell das Material des Aufbaus (z.B. Keramik oder Titan) frei wĂ€hlen. Außerdem kann der Aufbau entweder individuell oder konfektioniert (serienmĂ€ĂŸig gefertigt) hergestellt werden. Die Voraussetzung fĂŒr konfektionierte Aufbauten ist ein in der Achsenausrichtung perfekt gesetztes Implantat, damit es spĂ€ter nicht zu Fehlbelastungen kommt, die bei solch hohen KaukrĂ€ften enormen Schaden anrichten können.

Aufgrund dieser Schwierigkeiten wird bei den Aufbauten im Seitenzahngebiet oftmals auf individuelle, stabile Titanpfosten zurĂŒckgegriffen, die schließlich mit der Krone verklebt werden. Bei einer verschraubten Lösung werden Krone und Pfosten in einem StĂŒck gefertigt und mittels einer in die Krone eingelassenen Schraube mit dem Implantatkörper verschraubt.

Eine relativ neue Methode stellt die CAD/CAM-Technik dar. Sie erlaubt es, die Krone oder den Aufbaupfosten direkt in der Praxis von einer Maschine frĂ€sen zu lassen. HierfĂŒr werden digitale Aufnahmen aus dem Mund des Patienten an einen Computer geschickt, an dem dann in kĂŒrzester Zeit ein virtuelles Modell der einzusetzenden Arbeit entworfen und mittels angeschlossener FrĂ€se angefertigt werden kann. Das kann Zeit und Geld sparen, ist aber hĂ€ufig noch zu ungenau und erfordert viel Erfahrung seitens des Behandlers.

Seitenzahnimplantat

Frontzahnimplantat

Die Implantation im Frontzahnbereich ist eine der anspruchvollsten Aufgaben des Implantologen, da hier die Ästhetik eine herausragende Rolle spielt. Das bedeutet, dass die Krone so natĂŒrlich wie möglich aussehen muss, der Übergang zwischen Krone und Implantat im besten Fall nicht sichtbar ist und das Implantat mit seinem Aufbau nicht grĂ€ulich durch das Zahnfleisch schimmern darf. Weiterhin kann die Situation durch folgende Faktoren ungemein erschwert werden.

  • 1. Der Patient weist eine hohe Lachlinie auf.
    Das bedeutet, dass beim LĂ€cheln die FrontzĂ€hne und deren Übergang zum Zahnfleisch komplett sichtbar sind und nicht von der Lippe ĂŒberdeckt werden. Hier muss besonders auf natĂŒrliche Zahnfarben und unsichtbare ÜbergĂ€nge zwischen Zahn und Zahnfleisch geachtet werden.
  • 2. Das Zahnfleisch im Bereich des fehlenden Zahnes ist sehr dĂŒnn.
    Dadurch kommt es einerseits zu erhöhter Transparenz und somit vermehrtem Durchschimmern des Implantates und zum anderen zu schnellerem Knochenabbau unter der dĂŒnnen ZahnfleischoberflĂ€che.
  • 3. Der Zahnfleischverlauf ist „girlandenförmig“.
    Hiermit meint man einen stark gewölbten Zahnfleischverlauf, der sich sehr tief in die Papillen und sehr hoch zum Zahnhals zieht. Hier ist die Voraussetzung fĂŒr Ă€sthetisch optimale, zahnfarbene ÜbergĂ€nge erschwert.
  • 4. Das Knochenangebot in diesem Bereich ist vermindert.
    Dies kann der Fall sein nach vorangegangener Wurzelspitzenresektion, langjĂ€hrigem Zahnverlust oder dĂŒnnem Zahnfleisch. Der Knochen gibt die spĂ€tere Kontur des Zahnfleisches in diesem Bereich wieder. Ist er nicht ausreichend vorhanden kann vor der Implantation ein Knochenaufbau notwendig werden.
Frontzahnimplantat

In FÀllen, wo viele dieser Faktoren zusammenkommen, sollte man unbedingt auf einen Implantologen mit langjÀhriger Erfahrung in diesem Gebiet setzen.

Da vor allem bei der Frontzahnimplantation das dunkle Druchscheinen des Implantates vermieden werden soll, werden Keramikimplantate und Keramikaufbauten aus einem speziellen, widerstandsfĂ€higen und gut vertrĂ€glichen Material namens Zirkonoxid angeboten. Auch diese Aufbauten können konfektioniert oder individuell hergestellt gewĂ€hlt werden und gerade Keramikimplantate haben aufgrund technischer Weiterentwicklungen in jĂŒngster Zeit eine Art Renaissance erfahren und werden wieder vermehrt angeboten und im Frontzahnbereich erfolgreich implantiert.

FĂŒr fehlende UnterkieferfrontzĂ€hne wird oft auf die sogenannten Miniimplantate zurĂŒckgegriffen, da sie fĂŒr die schmaleren LĂŒcken im Unterkieferfrontzahnbereich besser geeignet sind. Mit ihrem geringen Durchmesser kann ein zu geringer Abstand zu den Wurzeln der NachbarzĂ€hne mit einer eventuellen SchĂ€digung vermieden werden.

Mini-Implantate im Unterkiefer

Große ZahnlĂŒcke / SchaltlĂŒcke

Eine große ZahnlĂŒcke, bei der mindestens zwei ZĂ€hne nebeneinander fehlen, bezeichnet man auch als SchaltlĂŒcke. Dabei sind rechts und links der LĂŒcke noch ZĂ€hne vorhanden, was den Unterschied zu einer Freiendsituation ausmacht. Hier fehlt am Ende einer Zahnreihe einer oder mehrere ZĂ€hne und die Reihe besitzt zu einer Seite hin ein „freies“ Ende, wie der Name sagt.

Bei einer Situation mit SchaltlĂŒcke sind grundsĂ€tzlich 2 Lösungen ĂŒblich.

Einerseits kann die LĂŒcke mit einer BrĂŒckenversorgung geschlossen werden. Hier entstehen jedoch gleich mehrere Probleme. Die noch vorhandenen NachbarzĂ€hne mĂŒssen beschliffen werden, um mit der BrĂŒcke einen festen Verbund eingehen zu können. Hierbei geht wertvolle Zahnhartsubstanz, die nie wieder ersetzt werden kann, verloren. Andererseits kommt es bei großen LĂŒcken sehr oft zu Spannungen innerhalb der BrĂŒcke und zu einer Fehlbelastung bzw. einer zu großen Last auf den brĂŒckentragenden PfeilerzĂ€hnen, die dadurch sukzessive kleineren SchĂ€digungen und Verletzungen unterliegen. Diese machen sich dann, wenn es meist schon zu spĂ€t ist, durch Schmerzen bemerkbar. Ein weiteres Problem ist eine zunehmende Atrophie (RĂŒckbildung) des unter den BrĂŒckengliedern liegenden Kieferknochens und daraus folgend der RĂŒckgang des Zahnfleisches. Das kann so weit fĂŒhren, dass unter den BrĂŒckengliedern eine sichtbare LĂŒcke entsteht, die schwer zu reinigen ist und in der sich regelmĂ€ĂŸig Essensreste ablagern können, die wiederum ZahnfleischentzĂŒndungen und Karies an den NachbarzĂ€hnen hervorrufen können.

Aufgrund dieser Nachteile geht man immer mehr zu einer weiteren Lösungsmöglichkeit ĂŒber – Das Schließen der LĂŒcke mittels Implantaten. Hier ist die Kraft gleichmĂ€ĂŸig auf mehrere Pfeiler verteilt und der Knochen wird durch die Belastung beim Kauen nicht abgebaut. Innerhalb dieser Variante mittels Implantatersatz existieren wiederum mehrere Möglichkeiten.

SchaltlĂŒcke

Einzelzahnimplantate

Man ersetzt jeden fehlenden Zahn mit einem einzelnen Implantat. Das ist die aus medizinischer Sicht zu bervorzugende Variante, da die Kraft des Kauapparates am gleichmĂ€ĂŸigsten auf alle ersetzten ZĂ€hne ĂŒbertragen wird und dies am meisten dem natĂŒrlichen Zustand des Gebisses entspricht. Allerdings handelt es sich hierbei auch um die teuerste und zeitaufwendigste Variante.

SchaltlĂŒcke Implantate

Implantatgetragene BrĂŒcke

Bei einer LĂŒcke mit drei fehlenden ZĂ€hnen können zwei Implantate außen neben die jeweils noch vorhanden ZĂ€hne gesetzt werden und diese Implantate als Pfeiler fĂŒr eine BrĂŒcke genutzt werden, die den letzten fehlenden Zahn in der Mitte ersetzt. Die Vorteile hier sind, dass die natĂŒrlichen ZĂ€hne nicht beschliffen werden mĂŒssen und die BrĂŒcke auch als abnehmbarer Zahnersatz gestaltet werden kann. Finanziell etwas gĂŒnstiger als die Einzelzahnimplantate, handelt es sich hier um die zweitteuerste Variante.

Implantatgetragene BrĂŒcke

VerbundbrĂŒcke / HybridbrĂŒcke

Hier dienen sowohl die noch vorhandenen natĂŒrlichen ZĂ€hne, als auch gesetzte Zahnimplantate gemeinsam als BrĂŒckenpfeiler und das Setzen mehrerer Zahnimplantate kann vermieden werden. Als Beispiel eignet sich eine SchaltlĂŒcke mit drei fehlenden ZĂ€hnen. Hier kann ein Implantat in die Mitte der SchaltlĂŒcke gesetzt werden und zusammen mit den noch vorhandenen ZĂ€hnen als Pfeiler fĂŒr eine BrĂŒcke fungieren, die die ZĂ€hne rechts und links vom Implantat ersetzt und an den natĂŒrlichen ZĂ€hnen nach außen und am Implantat in der Mitte befestigt wird. Die BrĂŒcke wird hier meist fest zementiert und ist dann nicht mehr abnehmbar.

Diese Lösung kann dann Sinn machen, wenn das Setzen weiterer Implantate mit zu großem Aufwand verbunden oder das zur VerfĂŒgung stehende Budget begrenzt ist. Es handelt sich finanziell um die gĂŒnstigste Vorgehensweise nach der reinen BrĂŒckenversorgung.

VerbundbrĂŒcke

Freiendsituation

Fehlen am Ende einer Zahnreihe einer oder mehrere ZĂ€hne, handelt es sich um eine Freiendsituation. Die Zahnreihe ist sozusagen nach hinten hin „frei“. Sie kann einseitig oder beidseitig auftreten und sowohl den Unterkiefer als auch den Oberkiefer betreffen. Nun stellt sich zunĂ€chst die Frage, ab welcher Anzahl fehlender ZĂ€hne man sie ersetzen muss? Schon bei einem fehlenden Zahn oder erst bei mehreren und ist ein Ersatz ĂŒberhaupt erforderlich, wenn die SeitenzĂ€hne im hinteren Backenzahnbereich doch ĂŒberhaupt nicht sichtbar sind?

Freiendsituation

Handelt man nach dem Wirtschaftlichkeitsbegriff der gesetzlichen Krankenkasse, erfordert das Fehlen der beiden letzten großen BackenzĂ€hne, bei sonst geschlossener Zahnreihe, keinen Ersatz. Klar ist aber auch, dass jeder Seitenzahn – mit Ausnahme der WeisheitszĂ€hne – einen Antagonisten, also einen gegenĂŒberliegenden Zahn im jeweils anderen Kiefer besitzen sollte. Das bedeutet, wenn im Oberkiefer noch alle ZĂ€hne vorhanden sind und im Unterkiefer die beiden letzten ZĂ€hne fehlen, haben die OberkieferzĂ€hne beim Mundschluss keinen „Gegenspieler“ mehr und laufen Gefahr, sich nach und nach aus ihrer Position zu entfernen und in Richtung Unterkiefer zu „wandern“. Das begĂŒnstigt einerseits die PositionsverĂ€nderung weiterer ZĂ€hne im Oberkiefer und damit einhergehende Fehlbelastungen und andererseits die Entstehung von Karies und EntzĂŒndungen. Weiterhin fĂŒhrt das Fehlen der ZĂ€hne langfristig zur KnochenrĂŒckbildung in diesem Bereich, zur EinschrĂ€nkung der Kauleistung und zu Kiefergelenksbeschwerden. Deshalb sollte bereits bei einem einzigen fehlenden Zahn am Ende der Zahnreihe ein Zahnersatz in Betracht gezogen werden.

Es gibt unterschiedliche LösungsansĂ€tze fĂŒr eine Freiendsituation, die sich im Wesentlichen nach der konkreten Situation und dem zur VerfĂŒgung stehendem Budget richten.

Zahnersatz durch Einzelzahnimplantate

Hier wird jeder fehlende Zahn durch jeweils ein Implantat ersetzt. Das ist die aus medizinischer Sicht sinnvollste Lösung, da jeder ersetzte Zahn mit einheitlicher Kaukraft belastet wird und somit der ihn umgebende Knochen vor einem RĂŒckgang geschĂŒtzt wird. Allerdings handelt es sich hierbei auch um die kostenintensivste Variante.

Pro zu ersetzendem Zahn muss mit Kosten von 1000 € bis 2500 € gerechnet werden, abhĂ€ngig davon, welche Materialen verwendet wurden, wie umfangreich die vorhergehende Diagnostik ausfĂ€llt und wie anspruchsvoll und aufwendig sich die konkrete Situation darstellt.

Freiendsituation Einzelzahnimplantate

FreiendbrĂŒcke / ExtensionsbrĂŒcke / AnhĂ€ngerbrĂŒcke

Eine gĂŒnstige, jedoch Ă€ußerst fragliche Alternative stellt die FreiendbrĂŒcke dar. Hier kann in der Regel nur ein fehlender Zahn am Ende oder auch in der Mitte der Zahnreihe ersetzt werden. Der Grund dafĂŒr ist, dass hier als einzige AbstĂŒtzung fĂŒr den Zahnersatz der noch gesunde, angrenzende Nachbarzahn benutzt wird. An ihm wird die BrĂŒcke mittels Überkronung, Verklebung oder auch ĂŒber einen speziell gefertigten AnhĂ€nger befestigt. Die großen Nachteile sind, dass durch die unbalancierte Statik eine stĂ€ndige Fehlbelastung auf den noch gesunden Zahn ausgeĂŒbt wird. Das ist auch der Grund, warum bei dieser Methode nur ein Zahn ersetzt werden kann, weil sonst die einwirkenden KrĂ€fte fĂŒr den gesunden Zahn zu groß wĂ€ren und diesen schĂ€digen wĂŒrden. Man versucht dieses Problem zu minimieren, indem gleich mehrere, nebeneinanderliegende gesunde ZĂ€hne als Pfeiler genutzt werden, um die Kraft besser zu verteilen, doch durch die notwendige Überkronung der ZĂ€hne geht noch mehr wertvolle Zahnhartsubstanz verloren.

Auch wenn man hier preislich mit 1000 € – 2000 € gĂŒnstig davonkommt, sollte dies nur eine letzte Notlösung darstellen.

FreiendbrĂŒcke

Implantatgetragene BrĂŒcke

Hier wird nicht jeder Zahn durch ein Implantat ersetzt, sondern lediglich zwei Implantate als sogenannte BrĂŒckenpfeiler gesetzt. Beispielsweise können bei drei fehlenden ZĂ€hnen der letzte und erste fehlende Zahn durch jeweils ein Implantat ersetzt werden. An diesen Pfeilern wird die ZahnbrĂŒcke befestigt, die mit einem mittleren Glied die dritte LĂŒcke schließt. HierfĂŒr muss kein natĂŒrlicher Zahn beschliffen werden, allerdings bildet sich der Knochen unter dem BrĂŒckenglied mit der Zeit kontinuierlich zurĂŒck, da er keiner Belastung mehr ausgesetzt ist. Das fördert EntzĂŒndungen und wird frĂŒher oder spĂ€ter zu Ă€sthetischen Problemen fĂŒhren, da sich zwischen BrĂŒckenglied und Zahnfleisch eine grĂ¶ĂŸer werdende LĂŒcke bildet, die ĂŒberdies schwer zu reinigen ist. Aus diesen GrĂŒnden ist diese Lösung nicht als ideal einzustufen.

Preislich ist sie jedoch mit 3000 € bis 4500 € fĂŒr die gesamte BrĂŒcke attraktiver als die der Einzelzahnimplantate, da man sich – in unserem konkreten Fall – ein Implantat spart.

Implantatgetragene BrĂŒcke

Herausnehmbare Zahnprothese

Hierbei handelt es sich im Gegensatz zu den anderen Varianten nicht um einen festsitzenden, sondern einen herausnehmbaren Zahnersatz.
Die Prothese wird – wie die FreiendbrĂŒcke – am noch gesunden letzten Zahn befestigt und liegt zusĂ€tzlich mit ihrer Basis dem Zahnfleisch auf. Problematisch sind hier große Hebelwirkungen, die beim Zubeißen und Kauen auf den natĂŒrlichen Zahn ausgeĂŒbt werden und diesen beschĂ€digen und aus seiner Position verdrĂ€ngen können. Außerdem kann die Prothesenbasis bei schlechtem Sitz die Schleimhaut reizen und EntzĂŒndungen und GeschwĂŒrbildungen können die Folge sein. Deshalb ist diese Lösung ebenfalls nur als letztmögliche Alternative anzusehen.
Die Kosten belaufen sich hier auf 500€ – 1500 €. Damit ist dies – zusammen mit der FreiendbrĂŒcke – die preisgĂŒnstigste, aber zugleich notdĂŒrftigste Variante.

Klammerprothese

Zahnlosigkeit

Die Ursachen fĂŒr den vollstĂ€ndigen Zahnverlust können unterschiedlicher Natur sein. Er kann altersbedingt, durch schlechte Mundhygiene ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum, in Folge eines Unfalls oder aufgrund einer Erkrankung auftreten.

Es gibt eine Reihe von LösungsansĂ€tzen, diesem Problem zu begegnen. Diese richten sich zum einen nach den konkreten anatomischen Gegebenheiten im Mund des Patienten und zum anderen nach seinen individuellen WĂŒnschen und seinem Budgetrahmen.

Wichtig ist, dass zahnlose Kieferabschnitte nicht lange unbehandelt belassen werden dĂŒrfen, da sich mit der Zeit der Kieferknochen zurĂŒckbildet und dann ein zusĂ€tzlicher Knochenaufbau notwendig werden kann, bevor man mit dem Einsetzen des eigentlichen Zahnersatzes beginnt.

Geringe Restbezahnung – Teleskopprothese

Besteht das Gebiss nur noch aus wenigen ZĂ€hnen, die jedoch noch gut erhalten und belastbar sind, lassen sich diese als zahnersatztragende Pfeiler fĂŒr eine Prothese nutzen. FĂŒr noch stabileren Halt können zusĂ€tzlich Zahnimplantate gesetzt werden. Auf diesen Implantatpfeilern und an den natĂŒrlichen ZĂ€hnen können nun zum Beispiel ĂŒber sogenannte Teleskopkronen – Ineinanderschiebbare, zweiteilige Kronen – Prothesen oder BrĂŒcken befestigt werden. Dabei ist der eine Teil der Teleskopkrone fest im Zahnersatz (z.B. Prothese oder BrĂŒcke) eingearbeitet und der andere sitzt fest auf den PfeilerzĂ€hnen. Durch das Ineinanderschieben des inneren und Ă€ußeren Teils wird eine Haftreibung erzeugt, die dem Zahnersatz einen festen Halt gibt.

Die genaue Vorgehensweise in der Behandlung bei geringer Restbezahnung hĂ€ngt von der speziellen Gebisssituation ab – also wie viele RestzĂ€hne an welchen Positionen noch vorhanden sind und muss daher individuell geplant werden.

Teleskopprothese

VollstÀndige Zahnlosigkeit

Die Versorgung bei kompletter Zahnlosigkeit lĂ€sst sich in herausnehmbaren Zahnersatz – als Totalprothese – und festsitzenden Zahnersatz, als eine Kombination zwischen Implantaten und darauf aufbauender Prothese, unterteilen.

Bei den frĂŒher hĂ€ufiger eingesetzten Totalprothesen handelt es sich um herausnehmbare Kunststoffgebisse, die ĂŒber SaugkrĂ€fte an der Kieferschleimhaut haften. Sie bereiten oft Probleme im Sinne von schmerzhaften Druckstellen, einem schlechten Sitz oder gestörter Geschmacksempfindung, die zu erheblichen LebenseinschrĂ€nkungen fĂŒhren können. Deshalb sind sie heute nicht die erste Wahl bei der Versorgung bei unbezahnten Kiefern.

Die medizinisch sinnvollere Lösung stellt fast immer eine implantatgetragene, festsitzende Lösung dar, da sie in der Regel den Knochen belastet und so einen Knochenschwund (Atrophie) verhindert. Außerdem bietet sie einen höheren Tragekomfort und kann auch nach Jahrzehnten noch problemlos getragen werden. Die Implantatversorgung bei zahnlosen Patienten macht ca. 2/3 aller Implantationen in der Praxis aus und stellt damit ihre Hauptindikation dar. Folgende implantatgestĂŒtzte Lösungen werden in der Praxis hĂ€ufig verfolgt.

Zahnlosigkeit

Implantatgetragene Prothese

Hier wird im Kiefer eine gewisse Anzahl an Zahnimplantaten eingebracht – im Unterkiefer in der Regel 4, im Oberkiefer 6 – auf denen dann mittels spezieller Verankerungen die Prothese befestigt werden kann.

Stegkonstruktion

Hier werden die gesetzten Implantate untereinander mit dĂŒnnen MetallstĂ€ben verbunden. Auf diesen kann eine herausnehmbare Prothese befestigt werden. Aufgrund der hohen StabilitĂ€t der Implantate durch die Stegverbindung, kann die Prothese sofort nach Eingliederung belastet werden.

Stegprothese

Locatoren und Kugelkopfanker

Bei beidem handelt es sich um konfektionierte – also serienmĂ€ĂŸig gefertigte – Halteelemente, die fest mit dem Implantat verbunden sind und die Prothese durch Einklicken, Ă€hnlich einem Druckknopf an KleidungsstĂŒcken, befestigen.

Feste BrĂŒcke

Im Gegensatz zu den vorhergenannten Konzepten ist die feste BrĂŒcke eine nicht herausnehmbare Arbeit, die eine Mindestanzahl von 6 – 8 Implantaten erfordert, um einen sicheren und festen Halt zu gewĂ€hrleisten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthĂ€lt nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur ĂŒber die Arztsuche möglich. Mehr Informationen finden Sie in unserem Haftungsausschluss fĂŒr Gesundheitsthemen.

European Centers for Dental Implantology (ECDI)

Implantate nachweisen, LebensqualitÀt gewÀhrleisten

Die European Centers for Dental Implantology (ECDI) dokumentieren jedes eingesetzte Implantat und werten die Daten wissenschaftlich aus. So können wir die QualitĂ€t von Behandlungen stetig verbessern und neue Erkenntnisse fĂŒr eine sichere Implantatversorgung gewinnen.

Unsere Mitglieder sind erfahrene Implantologen, die nach strengen Kriterien ausgewĂ€hlt werden. FĂŒr Patientinnen und Patienten bedeutet das geprĂŒfte Erfahrung, transparente Ergebnisse und langfristige LebensqualitĂ€t.

DarĂŒber hinaus arbeiten die ECDI-Zentren eng zusammen, entwickeln Behandlungsmethoden weiter und teilen ihr Wissen – damit Implantatbehandlungen auch in Zukunft zuverlĂ€ssig und nachhaltig bleiben.

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Zahnimplantate: ThemenĂŒbersicht

  • Wir erklĂ€ren, was Zahnimplantate sind, welche Implantatarten es gibt, wie die Behandlung (Implantation) ablĂ€uft sowie Vorteile, Nachteile und Kosten.

  • Implantate bieten festen Halt, mehr LebensqualitĂ€t und bessere Ästhetik – aus Titan oder Keramik, je nach Bedarf, Wunsch und finanzieller Möglichkeit.

  • Gute Implantologie braucht Erfahrung, Ausstattung und Hygiene. Billigangebote lohnen selten – QualitĂ€t sichert langfristigen Behandlungserfolg.

  • Implantate ersetzen ZĂ€hne dauerhaft, verbessern die LebensqualitĂ€t und lohnen sich langfristig – bei richtiger Arztwahl, Pflege und regelmĂ€ĂŸiger Kontrolle.

  • GrĂŒndliche Mundhygiene schĂŒtzt Implantate und ZĂ€hne – mit der richtigen BĂŒrste, Technik, Zahnseide und regelmĂ€ĂŸiger Kontrolle bis ins hohe Alter.

  • Beim Implantat können Nerven, Kieferhöhle oder NachbarzĂ€hne gefĂ€hrdet sein. Sorgfalt, Erfahrung und gute Nachsorge senken das Risiko von Komplikationen.

  • Implantate sind nicht fĂŒr jeden geeignet. Bei Risiken wie Erkrankungen oder schlechter Mundhygiene ist klassischer Zahnersatz oft die bessere Wahl.

  • Zahnverlust fĂŒhrt zu Knochenschwund. Ein Knochenaufbau schafft die Basis fĂŒr Implantate – mit bewĂ€hrten Methoden und planbarem Risiko.