All-On-4™: Festsitzende Zähne an einem Tag
„Festsitzender Zahnersatz an einem Tag“ oder „Sofortige Belastung“ – mit solchen Slogans werden zunehmend Implantologie-Verfahren für komplett oder überwiegend zahnlose Patienten beworben. Doch ist die Methode, bei der nur vier Implantate das gesamte Gebiss tragen, wirklich für jeden Patienten geeignet? Die Experten der ECDI klären transparent auf.
All-on-4™ auf einen Blick
- Das Konzept: Im zahnlosen Kiefer werden lediglich 4 Implantate (zwei gerade vorne, zwei schräg hinten) gesetzt. Ein sofort belastbares Provisorium wird oft noch am selben Tag verschraubt.
- Kein Wundermittel für alle: Das Verfahren ist nicht für jeden Patienten geeignet. Es ist eine differenzialtherapeutische Erweiterung und erfordert eine sorgfältige Einzelfallprüfung.
- Voraussetzungen: Ausreichende Substanz und Qualität des Kieferknochens sowie eine enorm hohe Hygienemotivation des Patienten sind Pflicht.
- Große Erfahrung nötig: Das gesamte Team, vom Operateur bis zum Zahntechniker, sollte diesen komplexen Eingriff nur auf Basis weitreichender implantologischer Erfahrung durchführen.
Transkript der Fachtagung lesen
„Festsitzender Zahnersatz an einem Tag“, „Sofortige Belastung“ – mit solchen Slogans werden zunehmend Implantologie-Verfahren für komplett oder überwiegend zahnlose Patienten beworben. Schon vier Zahnimplantate in Ober- oder Unterkiefer, daher die Bezeichnung „All-on-4“, sollen demnach als Basis für eine stabil sitzende prothetische Versorgung ausreichen. Doch ist die Methode wirklich für jeden Patienten geeignet?
Die European Centers for Dental Implantology (ECDI), ein internationaler Verbund erfahrener Implantologen, gingen dieser Frage auf einer Fachtagung mit integriertem Workshop im ECDI Zentrum Düsseldorf nach. Im Fokus stand die sofortige Versorgung des zahnlosen Kiefers mittels vier, fünf oder sechs Implantaten und festsitzendem, sofortigem Zahnersatz.
Der Lingener Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Dr. Dr. Alfons Eissing, als einer der erfahrenen All-on-4-Spezialisten der ECDI in Deutschland, demonstrierte dabei mit einer Live-Operation an einer Patientin den neuesten Stand dieser Methode.
Nach einer ausführlichen Debatte gaben die ECDI-Fachärzte, die jährlich insgesamt mehr als 20.000 Zahnimplantate setzen, diese Empfehlung ab:
• Festsitzender Zahnersatz nach dem All-on-4-Prinzip ist nur in sorgsam geprüften Einzelfällen eine Alternative zu herkömmlichen Implantologie-Verfahren.
• Patienten ohne große Hygienemotivation und ohne ausreichende Substanz und Qualität des Kieferknochens ist von diesem Verfahren eher abzuraten.
(O-Ton Dr. Dr. M. Kaupe): „Aus Sicht der Experten sehen wir im Konzept All-on-4 durchaus eine differenzialtherapeutische Erweiterung des Behandlungsspektrums.“
Genauso wichtig: Das gesamte Team, vom Operateur bis zum Zahntechniker, sollte diesen komplexen und anspruchsvollen Eingriff nur auf der Basis großer implantologischer Erfahrung durchführen. Sind alle diese Vorgaben erfüllt, kann die Methode All-on-4 für Patienten am Übergang zur Zahnlosigkeit und für Angstpatienten geeignet sein, empfehlen die ECDI-Experten.
European Centers for Dental Implantology (ECDI)
Implantate nachweisen, Lebensqualität gewährleisten
Die European Centers for Dental Implantology (ECDI) dokumentieren jedes eingesetzte Implantat und werten die Daten wissenschaftlich aus. So können wir die Qualität von Behandlungen stetig verbessern. Unsere Mitglieder sind erfahrene Implantologen, die nach strengen Kriterien ausgewählt werden.
MEHR ÜBER UNS ERFAHREN1. Was ist das All-on-4™ Konzept?
Das All-on-4™ Konzept ist ein chirurgisches Verfahren, bei dem ein kompletter, festsitzender Zahnersatz auf nur vier strategisch positionierten Implantaten pro Kiefer verankert wird. Durch die Schrägstellung der hinteren Implantate kann meist auf einen langwierigen Knochenaufbau verzichtet und der Patient noch am Operationstag mit festen Zähnen versorgt werden.
Bei der Bezeichnung All-On-4® handelt es sich um eine eingetragene Marke der Firma Nobel-Biocare. Ähnliche Behandlungskonzepte lassen sich heute jedoch auch mit anderen hochwertigen Implantat-Systemen umsetzen.
Beim Behandlungskonzept handelt es sich um eine Therapieoption, die bei völliger Zahnlosigkeit das Tragen eines festsitzenden Zahnersatzes auf nur vier Implantaten im Ober- oder Unterkiefer ermöglicht. Dabei werden zwei Implantate in gerader Position im Frontzahnbereich und zwei Implantate leicht schräg (im Winkel von 35 – 45°) im Seitenzahnbereich eingesetzt.
Die leichte Neigung der hinteren Implantate sorgt für eine erhöhte mechanische Stabilität und eine größere Kontaktfläche zwischen Implantat und Knochen. Darauf wird im nächsten Schritt der Zahnersatz in Form einer festsitzenden Prothese oder Brücke fest verschraubt. Lockere Prothesen gehören damit der Vergangenheit an.
2. Für wen ist die Behandlung geeignet? (Die ECDI-Empfehlung)
Grundsätzlich ist diese Art der Versorgung für Patienten geeignet, die zahnlos sind oder bei denen der restliche Zahnbestand nicht mehr zu retten ist. Ein oft beworbener Vorteil ist, dass noch am Tag der Implantation ein festsitzendes Provisorium eingegliedert werden kann. Das macht das Konzept auch für Patienten attraktiv, die z.B. aus beruflichen Gründen keine "zahnlose Phase" tolerieren können oder unter starker Zahnarztangst leiden.
Aber Vorsicht: Auf einer Fachtagung im ECDI Zentrum Düsseldorf haben die Chirurgen der ECDI (die jährlich über 20.000 Implantate setzen) dieses Konzept intensiv geprüft. Die klare Empfehlung lautet:
- Festsitzender Zahnersatz nach diesem Prinzip ist nur in sorgsam geprüften Einzelfällen eine Alternative zu herkömmlichen Implantologie-Verfahren.
- Es wird ausreichend Substanz und Qualität des Kieferknochens benötigt.
- Eine extrem hohe Hygienemotivation des Patienten ist absolute Voraussetzung. Wer die festsitzende Brücke zuhause nicht penibel pflegt, riskiert Entzündungen und den Verlust der tragenden Implantate.
3. Zygoma-Implantate bei extremem Knochenabbau
Ein Vorteil der Schrägstellung der Implantate ist, dass in vielen Fällen auf einen aufwendigen Knochenaufbau verzichtet werden kann. Liegt jedoch insbesondere im Oberkiefer ein extrem geringes Knochenangebot vor (weil der Knochen sich durch jahrelange Zahnlosigkeit zurückgebildet hat), können sogenannte Zygoma-Implantate verwendet werden.
Dabei handelt es sich um besonders lange Spezial-Implantate, die nicht im Kiefer, sondern im stabilen Jochbein (Os zygomaticum) verankert werden. Diese hochkomplexe Operation erfordert einen sehr erfahrenen Chirurgen, erspart dem Patienten jedoch monatelange Behandlungen zum Aufbau des Oberkieferknochens.
4. Sind Teleskop-Prothesen eine Alternative?
Wenn ein festsitzender Ersatz (aus Knochen- oder Hygienegründen) nicht optimal ist, eignet sich die Versorgung mittels einer implantatgetragenen Teleskopprothese. Hierbei sind im Oberkiefer meist sechs und im Unterkiefer vier Teleskoppfeiler erforderlich.
Jedes Implantat erhält eine Primärkrone (Innenteleskop), das Gegenstück ist in den Zahnersatz eingearbeitet. Die Einheiten gleiten exakt ineinander und bieten extrem festen Halt („bedingt festsitzend“). Der große Vorteil: Diese Lösung lässt sich zur täglichen Pflege vom Patienten herausnehmen. Das erleichtert die Mundhygiene massiv und reduziert das Risiko für Entzündungen am Implantat (Periimplantitis).
5. Was kostet eine All-On-4®-Behandlung?
Dadurch, dass bei der All-On-4®-Behandlung oft kein zusätzlicher Knochenaufbau notwendig ist und lediglich vier statt der klassischen sechs oder acht Implantate pro Kiefer benötigt werden, können die Material- und OP-Kosten geringer ausfallen als bei einer herkömmlichen Versorgung.
Der Preis variiert je nach Ausgangsbefund, verwendetem Material (Kunststoff vs. Keramik für die endgültigen Zähne) und der Schwierigkeit der Behandlung. Als grobe Orientierung lässt sich in Deutschland mit Kosten zwischen 8.000 Euro und 18.000 Euro pro Kiefer kalkulieren.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist das All-on-4 Konzept für jeden Patienten geeignet?
Tut die Behandlung weh?
Wie muss ich den festen Zahnersatz pflegen?
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Implantate bieten festen Halt, mehr Lebensqualität und bessere Ästhetik – aus Titan oder Keramik, je nach Bedarf, Wunsch und finanzieller Möglichkeit.
Gute Implantologie braucht Erfahrung, Ausstattung und Hygiene. Billigangebote lohnen selten – Qualität sichert langfristigen Behandlungserfolg.
Implantate ersetzen Zähne dauerhaft, verbessern die Lebensqualität und lohnen sich langfristig – bei richtiger Arztwahl, Pflege und regelmäßiger Kontrolle.
Implantate sind nicht für jeden geeignet. Bei Risiken wie Erkrankungen oder schlechter Mundhygiene ist klassischer Zahnersatz oft die bessere Wahl.
Brücken sind günstiger und schneller als Implantate, erfordern aber Zahnsubstanzverlust und können ästhetische Nachteile bringen.
Implantate brauchen Zeit zum Einheilen – wie ein Knochenbruch. Gute Hygiene, Rauchverzicht und Geduld fördern die Heilung und den Erfolg.
Die Implantation ist ein geplanter Routineeingriff. Kühlung, Hygiene und ggf. Medikamente helfen, Schwellung und Schmerzen gering zu halten.



