Implantatmaterial: Woraus werden Zahnimplantate hergestellt?

Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc.
Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc.
Veröffentlicht: 10.03.2021
Aktualisiert: 13.01.2026
Lesezeit: 17 Min.

Viele Faktoren tragen dazu bei, dass ein Zahnimplantat im Knochen einheilt und in der Langzeittherapie erfolgreich ist.

Neben dem grundsätzlichen Design des Implantatkörpers, der als eine Art Schraube konzipiert ist und durch sein Gewinde eine feste Verankerung im Kieferknochen erlangt, ist weiterhin das Material des Implantates einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Seit bereits mehreren Jahrzehnten hat sich der Werkstoff Titan in seiner Reinform bis heute als ungeschlagener Sieger unter den Implantatmaterialien gehalten. Das liegt vor allem an seinen hervorragenden Eigenschaften: Es ist sehr gewebefreundlich und wird in der Regel nicht vom Körper abgestoßen, man spricht von einer hohen Biokompatibilität. Weiterhin besitzt es eine hohe mechanische Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit, was es gegenüber äußerlichen Kräften und Umwelteinflüssen sehr resistent macht.

Ab und zu wird über allergische Reaktionen des menschlichen Körpers auf Titan berichtet. Diese sind jedoch nicht nachgewiesen und es handelt sich dabei viel mehr um eine Titanunverträglichkeit in Form einer Entzündungsreaktion, die auf andere Ursachen, wie schlechte Mundhygiene oder Nikotinkonsum zurückzuführen ist.

Ein zweites Material, das auch schon seit mehreren Jahren in Verwendung ist, sich aber als Implantatmaterial nie komplett durchsetzen konnte, ist die Keramik. Hier ist vor allem das Zirkoniumoxid zu nennen. Es handelt sich dabei um einen neu entwickelten, keramischen Hochleistungswerkstoff, der eine deutlich verbesserte Stabilität im Vergleich zum Reintitan besitzt und beispielsweise auch bei nur geringem Platzangebot den Einsatz von durchmesserreduzierten Implantaten ohne Probleme ermöglichen soll. Weiterhin soll es eine isolierende Wirkung aufweisen, was bedeutet, dass sich Bakterien nicht so gut am Implantat ansiedeln können und so das Auftreten einer Periimplantitis verhindert wird. Dem gegenüber stehen jedoch wesentlich höhere Materialkosten, eine längere Dauer der Knocheneinheilung des Implantates und damit eine wahrscheinlich höhere Verlustrate gegenüber Titanimplantaten. Aufgrund der Neuheit des Materials fehlen noch aussagekräftige Langzeitstudien, die zeigen, welcher Werkstoff nun tatsächlich der überlegene ist.

Implantate aus Titan

Diese Aspekte machen Titan zu einem geeigneten Grundwerkstoff für Zahnimplantate:

Seine besondere Körperverträglichkeit: Es wird meist problemlos vom organischen Gewebe angenommen und heilt sehr gut in den Kieferknochen ein. Hierbei schützen Verbindungen mit Sauerstoff (Oxide) das Gewebe vor Schädigungen durch den Fremdkörper, was wiederum eine Auflösung (Korrosion) des Zahnimplantat-Materials im Knochen verhindert. Daneben verkürzt die Beschaffenheit der Materialoberfläche auch die Einheilzeit.

Titan hat wahrscheinlich kaum ein allergisches Potential. So bildet das Zahnimplantat-Material eine ideale Alternative gerade für Patienten, die allergisch auf andere Metalle reagieren.

  • Seine geringe Wärmeleitfähigkeit
    Titan leitet Wärme nur sehr schlecht, was etwa beim Verzehr von heißen oder kalten Getränken und Speisen das Schmerzpotential reduziert.
  • Seine Durchlässigkeit für Röntgenstrahlen
    Bei Folgeuntersuchungen lassen sich problemlos Röntgenaufnahmen anfertigen, auf denen die gesamte Kiefersituation ersichtlich bleibt.
  • Seine vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten
    Titan lässt sich leicht bearbeiten und für viele zahnmedizinische Zwecke verwenden. Die moderne Zahntechnik fertigt nicht nur künstliche Zahnwurzeln, sondern auch Stege, Modellgussplatten sowie Kronen– und Brücken aus diesem Metall an.
Zahnimplantat (Zweiteiliges und einteiliges Implantat)

Implantate aus Keramik

Keramikimplantate sind keine Neuerscheinung. Bereits vor über 30 Jahren wurden hiervon die ersten Exemplare eingesetzt, allerdings mit sehr eingeschränktem Erfolg. Der Begriff „Keramikimplantat“ ist etwas irreführend. Mit eigentlicher Keramik hatten sowohl das damals verwendete Aluminiumoxid als auch das heutige Zirkonoxid, bis auf deren Aussehen, nur wenig gemeinsam. Die Werkstoffe ähneln in ihren Materialeigenschaften tatsächlich eher einem Metall als einer Keramik, gelten jedoch gemeinhin als metallfrei. Deshalb treten sie immer wieder in den Fokus, wenn von Titan-Unverträglichkeit oder Allergien die Rede ist und nach Alternativ-Materialien gesucht wird. Obwohl aus diesem Grund die Keramikimplantate im Moment wieder einen Trend erfahren, stellen sie lediglich eine mittelmäßige Alternative zu den bewährten Titanimplantaten dar.

Keramikimplantate

Vor- und Nachteile von Keramikimplantate

Bislang konnten keine allergischen Reaktionen gegen den Reinstoff Titan nachgewiesen werden. Allerdings liegen Titanimplantate oft nicht in Reinform vor, da die Herstellung aufwendig und teuer ist. Legierungsanteile in diesen Verbindungen stehen im Verdacht, bei einigen wenigen Menschen Unverträglichkeitsreaktionen hervorzurufen. Diese zeigen sich wohl bei Zirkonimplantaten nicht, und auch auch Entzündungsreaktionen sollen seltener auftreten. Hierzu existiert jedoch keine überzeugende Studienlage.

Positiv ist die helle, zahnähnliche Farbe der Keramikimplantate, weshalb sie v.a. im Frontzahnbereich eingesetzt werden und somit bei dünnen Schleimhaut- und Knochenverhältnissen nicht dunkel hindurchschimmern. Außerdem sind durch die große Härte und Biegefestigkeit gute Materialeigenschaften gegeben. Hierfür fehlen jedoch ebenfalls praktische Erfahrungswerte.

Nachteile bestehen in einer langen Einheilungsphase von bis zu 6 Montaten, im Vergleich zu 3 Monaten bei Titanimplantaten. Weiterhin ergeben sich Nachteile im Aufbau der Implantate. Sie werden meist als einteiliges System, mit schon vorhandenem Aufbau angeboten. Das erfordert eine exakte Positionierung des Implantates, da im Nachhinein keine Richtungsänderungen mehr vorgenommenen werden können. Verschraub- oder verklebbare zweiteilige Systeme bergen das Risiko einer erhöhten Bruchgefahr und vermehrter Biofilmbildung zwischen den verbundenen Teilen. Außerdem darf das Implantat im Nachhinein nicht beschliffen werden, da auch dies leicht zu einem Bruch führen kann.

Schließlich ist auch die Langlebigkeit von Keramikimplantaten keinesfalls gesichert. Durch ständige Veränderungen und Neuerungen in deren Oberflächenbeschaffenheit ließen sich noch keine Langzeitdaten erheben.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur über die Arztsuche möglich. Mehr Informationen finden Sie in unserem Haftungsausschluss für Gesundheitsthemen.

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