Implantatpflege: Wie Sie Ihr Zahnimplantat richtig pflegen

Dr. med. Dr. med. dent. Thomas MĂŒller-Hotop, M.Sc.
Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Thomas MĂŒller-Hotop, M.Sc.
Veröffentlicht: 10.03.2021
Aktualisiert: 12.09.2025
Lesezeit: 19 Min.

Ein korrekt in den Kiefer eingesetztes Zahnimplantat, das mit einer optimal gestalteten, individuellen Krone versorgt wurde, ist selbst fĂŒr Experten von den „Eigenen“ kaum zu unterscheiden.

Der entscheidende Unterschied zwischen Zahn und Implantat betrifft ja die unsichtbare Verankerung im Kiefer. Genau daher kommt der regelmĂ€ĂŸigen Reinigung des Zahnersatzes die entscheidende Bedeutung zu – damit die ,Dritten’ auch die Letzten sind.

Richtige Implantatpflege verhindert Bakterienbefall

Der natĂŒrliche Zahn steckt mit seiner Wurzel im sogenannten ,ZahnhalteapparatÂŽ, der von Zahnfleisch, Haltefasern und Kieferknochen gebildet wird – und guten Schutz vor Ă€ußeren Angriffen durch Bakterien bietet. Mit der Entfernung des Zahns geht leider auch der Zahnhalteapparat verloren. Über den festen Halt des Implantats entscheiden nun allein Kieferknochen und Zahnfleisch. Normalerweise wachsen die Knochenzellen zwar so eng an die kĂŒnstliche Zahnwurzel heran, dass bereits nach einigen Monaten ein höherer Kraftaufwand notwendig ist, ein Implantat zu lösen, als einen Zahn zu ziehen. Allerdings wird der Durchbruch des Implantats in die Mundhöhle nur von locker anliegendem Bindegewebe abgedichtet. Bei schlechter Mundhygiene kann dieses Schnittstelle zum Einfallstor fĂŒr EntzĂŒndungserreger werden.

Elektrische ZahnbĂŒrsten pflegen Implantate besser

Generell unterscheidet sich die Pflege von Implantaten nur wenig von der modernen Zahnpflege. Es gilt aber: Elektrische ZahnbĂŒrsten arbeiten bei der Entfernung von Plaque grĂŒndlicher als HandzahnbĂŒrsten. Welche Technik die bestgeeignete fĂŒr jeden Patienten ist, lĂ€sst sich im GesprĂ€ch mit dem Spezialisten herausfinden. Auf dem Markt sind Modelle mit rotierend-oszillierender Technik, SchallzahnbĂŒrsten und UltraschallzahnbĂŒrsten.

Da jeder Zahn fĂŒnf zu reinigende FlĂ€chen hat – aber nur drei mit der BĂŒrste erreicht werden – gibt es fĂŒr die beiden anderen FlĂ€chen Zahnseide und entsprechend kleine BĂŒrstchen. Mindestens einmal am Tag sollten damit die ZahnzwischenrĂ€ume von Nahrungsresten befreit werden – am besten ĂŒbrigens abends.

Professionelle Zahnreinigung bei Implantat-Nachsorge unerlÀsslich

Den sensibelsten Bereich bei der Implantatpflege stellt der Übergang zwischen Zahnfleisch und Krone dar. Hier ist eine grĂŒndliche Reinigung von entscheidender Bedeutung, damit es nicht zu bakteriellen BelĂ€gen kommt, die am Ende zur EntzĂŒndung des knöchernen Implantatbetts fĂŒhren. Es ist ECDI-Standard, Patienten als Implantat-Nachsorge die professionelle Zahnreinigung zu empfehlen. Je nach Bedarf werden bei der so genannten Prophylaxe-Behandlung alle drei bis sechs Monate sowohl alle weichen als auch harten ZahnbelĂ€ge sicher und grĂŒndlich entfernt.

Individuelle Mundhygiene-Schulung

Ein weiterer Service besteht in der individuellen Mundhygiene-Schulung der Patienten durch die speziell ausgebildeten Prophylaxeassistentinnen. Denn die verschiedenen Zahnersatz-Versorgungen von der Einzelkrone ĂŒber BrĂŒckenkonstruktionen bis zum Implantat-getragenen, herausnehmbaren Zahnersatz stellen auch an die Zahnputztechnik zum Teil individuell stark abweichende Anforderungen.

10 goldene Regeln fĂŒr die perfekte Mundhygiene bei Zahnimplantaten

  • 1. Putzen – wie oft und wann?
    GrundsĂ€tzlich: Experten raten zu mindestens zweimal tĂ€glichem Putzen, und zwar NACH den Mahlzeiten – das gilt auch fĂŒr das FrĂŒhstĂŒck. ZusĂ€tzliches Putzen nach dem Mittagessen ist nicht verkehrt.
  • 2. Die richtige ZahnbĂŒrste
    Handmodelle: Lieber einen kleinen als einen großen Kopf wĂ€hlen (der erreicht Problemzonen besser), lieber weichere statt harte und dĂŒnnere statt dicke Borsten verwenden.
  • 3. Elektrische ZahnbĂŒrsten:
    Durch ihre rotierenden BĂŒrsten vereinfachen sie die grĂŒndliche Reinigung. Auch die Druckgefahr ist geringer. SchallzahnbĂŒrsten fĂŒhren bis zu zehn Mal mehr Bewegungen aus als herkömmliche elektrische ZahnbĂŒrsten. Sie besitzen meist weichere Borsten und sind somit auch fĂŒr Menschen mit empfindlichen ZahnhĂ€lsen geeignet.
  • 4. Die richtige Putztechnik: ohne Druck
    Wichtiger als ausdauerndes Putzen ist grĂŒndliches Putzen: Dabei soll jede Seite jedes Zahns erreicht werden. Nicht pressen, sonst leidet der Zahnschmelz. Mit der elektrischen BĂŒrste arbeitet man sich langsam von Zahn zu Zahn vor. Von Hand: Senkrecht und mit kleinen Kreisbewegungen bĂŒrsten, nicht waagerecht. Empfohlene Reihenfolge: erst die KauflĂ€chen, dann ZĂ€hne außen, dann innen.
  • 5. Zahnpasta mit Fluoriden fĂŒr Implantat-TrĂ€ger
    Fluoridhaltige Zahnpasta hilft bei der KariesverhĂŒtung. Die meisten Pasten enthalten Schleifpartikel. Um den Zahnschmelz zu schonen, sollte der auf der Packung genannte sogenannte RDA-Wert (Relative Dentin Abrasion) nicht zu hoch sein (Mittelwert: 60 bis 80).
  • 6. Wenn es eng wird: Zahnseide
    Enge ZahnzwischenrÀume sind heikle Zonen. Zahnseide entfernt dort Speisereste und ZahnbelÀge (Plaque). Gewachst oder nicht gewachst? Die persönliche Vorliebe entscheidet. Am besten Abends anwenden. Vorsicht: Das Zahnfleisch dabei nicht verletzen!
  • 7. Mini-BĂŒrsten fĂŒr ZwischenrĂ€ume bei Zahnimplantaten
    Sie sind in unterschiedlichen Formen und StĂ€rken zu haben, wirken effektiver als Zahnseide, lassen sich aber nicht in jeden Spalt einfĂŒhren. In solchen FĂ€llen kann Superfloss-Zahnfaden eine Alternative sein.
  • 8. Auf Hygiene achten
    Schlecht gesĂ€uberte ZahnbĂŒrsten (auch die MinibĂŒrsten fĂŒr die ZwischenrĂ€ume) sind ideale NĂ€hrböden fĂŒr Mikroorganismen. Daher die ZahnbĂŒrste nach jedem Gebrauch grĂŒndlich unter fließendem Wasser ausspĂŒlen und trocknen lassen. Wenn sich die Borsten verbiegen oder gar ausfransen, eine neue BĂŒrste kaufen!
  • 9. Zungenbelag entfernen
    Ein Tummelplatz fĂŒr Bakterien (und oft Verursacher von Mundgeruch) ist der hintere Zungenbereich. Dessen BelĂ€ge lassen sich mit der ZahnbĂŒrste meist nicht ausreichend entfernen. Wirksamer sind spezielle Zungenreiniger in der BĂŒrsten- oder Schaber-Variante.
  • 10. Erfrischend wirksam: Mundwasser
    Mundwasser schmeckt meist angenehm erfrischend nach Minze, kann aber gegen Plaque nichts bewirken. Fluoridhaltige Lösungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie nicht unmittelbar nach dem ZÀhneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta eingesetzt werden.

Bei Zahnimplantaten professionelle Zahnreinigung empfohlen

FĂŒr Menschen mit erhöhtem Karies– und Parodontitis-Risiko ein Muss, fĂŒr alle anderen sehr empfehlenswert. Die Dentalhygienikerin entfernt dabei Plaque, die die ZahnbĂŒrste nicht erreicht hat, und vor allem Zahnstein. Zwei Termine pro Jahr helfen mit, Zahnerkrankungen wirksam vorzubeugen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthĂ€lt nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur ĂŒber die Arztsuche möglich. Mehr Informationen finden Sie in unserem Haftungsausschluss fĂŒr Gesundheitsthemen.

Zahnimplantate: ThemenĂŒbersicht

  • Wir erklĂ€ren, was Zahnimplantate sind, welche Implantatarten es gibt, wie die Behandlung (Implantation) ablĂ€uft sowie Vorteile, Nachteile und Kosten.

  • Implantate bieten festen Halt, mehr LebensqualitĂ€t und bessere Ästhetik – aus Titan oder Keramik, je nach Bedarf, Wunsch und finanzieller Möglichkeit.

  • Gute Implantologie braucht Erfahrung, Ausstattung und Hygiene. Billigangebote lohnen selten – QualitĂ€t sichert langfristigen Behandlungserfolg.

  • Implantate ersetzen ZĂ€hne dauerhaft, verbessern die LebensqualitĂ€t und lohnen sich langfristig – bei richtiger Arztwahl, Pflege und regelmĂ€ĂŸiger Kontrolle.

  • GrĂŒndliche Mundhygiene schĂŒtzt Implantate und ZĂ€hne – mit der richtigen BĂŒrste, Technik, Zahnseide und regelmĂ€ĂŸiger Kontrolle bis ins hohe Alter.

  • Beim Implantat können Nerven, Kieferhöhle oder NachbarzĂ€hne gefĂ€hrdet sein. Sorgfalt, Erfahrung und gute Nachsorge senken das Risiko von Komplikationen.

  • Implantate sind nicht fĂŒr jeden geeignet. Bei Risiken wie Erkrankungen oder schlechter Mundhygiene ist klassischer Zahnersatz oft die bessere Wahl.

  • Zahnverlust fĂŒhrt zu Knochenschwund. Ein Knochenaufbau schafft die Basis fĂŒr Implantate – mit bewĂ€hrten Methoden und planbarem Risiko.