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Medizinischer Ratgeber

Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Veröffentlicht: 28.02.2021 Aktualisiert: 16.03.2026 Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc. Geprüft: Dr. med. dent. Sebastian Becher ICD-10: K05.0 / K05.1 Lesezeit: 25 Min.

Was ist eine Zahnfleischentzündung? Eine Zahnfleischentzündung (medizinisch: Gingivitis, ICD-10: K05.0 akut / K05.1 chronisch) ist eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva), die in über 90 % der Fälle durch bakterielle Plaque verursacht wird [1]. Sie ist die häufigste Erkrankung des Zahnhalteapparates und die direkte Vorstufe der Parodontitis. Die gute Nachricht: Gingivitis ist bei frühzeitiger Behandlung vollständig reversibel – der Kieferknochen ist noch nicht angegriffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Gingivitis ist eine durch bakteriellen Zahnbelag (Plaque) verursachte Entzündung des Zahnfleisches – ohne Knochenabbau. Sie ist vollständig heilbar.
  • Häufigste Symptome: Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, Zahnfleischbluten beim Putzen und Mundgeruch – meist schmerzfrei.
  • Achtung Raucher: Nikotin drosselt die Durchblutung – das Zahnfleischbluten als Warnsignal bleibt oft aus [4].
  • Formen: Neben der häufigen plaque-assoziierten (durch Zahnbelag verursachten) Gingivitis gibt es hormonelle (Schwangerschaft), medikamentöse und nekrotisierende Formen (NUG).
  • Behandlung: Professionelle Zahnreinigung (PZR), optimale häusliche Mundhygiene und bei Bedarf Chlorhexidin-Mundspülung [2].
  • Ohne Therapie: Unbehandelt kann sich Gingivitis zur Parodontitis entwickeln – mit irreversiblem Knochenabbau und Zahnverlust.
  • Kosten: PSI-Screening ist Kassenleistung. PZR kostet 80–150 €, wird von vielen Kassen bezuschusst.
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Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc. – Facharzt für MKG-Chirurgie und Implantologie

Dieser Fachratgeber wurde verfasst von:
Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc.
Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, M.Sc. Implantologie

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Dr. med. dent. Sebastian Becher – Fachzahnarzt für Parodontologie, DGP-Spezialist

Medizinisch überprüft und freigegeben von:
Dr. med. dent. Sebastian Becher
Fachzahnarzt für Parodontologie, DGP®-Spezialist für Parodontologie

Letzte medizinische Prüfung: 16.03.2026

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1. Symptome einer Zahnfleischentzündung

Zahnfleischentzündungen bleiben oft lange unbemerkt, denn sie verlaufen meist schmerzfrei. Umso wichtiger ist es, die typischen Warnsignale zu kennen. Die häufigsten Symptome einer Gingivitis sind:

  • Gerötetes Zahnfleisch – statt der gesunden blassrosa Farbe erscheint es dunkelrot.
  • Geschwollenes Zahnfleisch – das Gewebe verliert seine feste, straffe Struktur.
  • Zahnfleischbluten – besonders beim Zähneputzen, bei Berührung oder beim Essen harter Nahrung.
  • Mundgeruch (Halitosis) – verursacht durch flüchtige Schwefelverbindungen, die Bakterien im Zahnbelag produzieren.
  • Erhöhte Empfindlichkeit – das Zahnfleisch reagiert empfindlich auf Berührung oder Temperatur, was zu Zahnfleischschmerzen führen kann.
Zahnfleischentzündung (Gingivitis) – gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch am Zahnfleischrand

Gesundes Zahnfleisch hat eine blassrosa Farbe, füllt den Zwischenraum der Zähne vollständig aus und blutet nicht. Entzündetes Zahnfleisch ist dagegen gerötet, geschwollen und blutet bei Berührung. Diese visuelle Veränderung ist oft das erste erkennbare Zeichen einer Gingivitis.

Zahnfleischbluten als Warnsignal

Zahnfleischbluten ist das wichtigste Frühwarnsignal für eine Gingivitis. Wenn das Zahnfleisch beim Zähneputzen oder bei der Benutzung von Zahnseide blutet, ist das in der Regel kein Zeichen von „zu festem Putzen", sondern ein Hinweis auf eine bestehende Entzündung.

Warum Raucher eine Zahnfleischentzündung oft übersehen

Bei Rauchern ist die Situation besonders tückisch: Die im Zigarettenrauch enthaltenen Inhaltsstoffe verengen die Blutgefäße im Zahnfleisch, sodass die Durchblutung gedrosselt wird. In der Folge bleibt das Zahnfleischbluten als Warnsignal oft vollständig aus – obwohl eine Entzündung vorliegt. Raucher erkranken zudem deutlich häufiger und schwerer an Zahnfleischentzündungen und Parodontitis [4].

2. Formen der Gingivitis

Nicht jede Zahnfleischentzündung ist gleich. Die internationale Klassifikation der Parodontalerkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparates) von 2018 unterscheidet grundlegend zwischen plaque-induzierten (durch Zahnbelag ausgelösten) und nicht-plaque-induzierten (durch andere Ursachen bedingten) Formen [1]. Für Patienten ist es wichtig zu wissen, dass verschiedene Formen existieren, die unterschiedliche Ursachen und Behandlungsansätze haben.

Akute Gingivitis

Die häufigste Form. Ausgelöst durch Plaque-Ansammlung bei unzureichender Mundhygiene. Typisch: plötzliches Zahnfleischbluten, Rötung und Schwellung. Vollständig reversibel bei konsequenter Pflege – in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen.

Chronische Gingivitis

Besteht über Wochen bis Monate, oft mit milden Symptomen, die vom Patienten übersehen werden. Kann sich ohne Behandlung schleichend zur Parodontitis entwickeln. Häufigste Ursache: dauerhaft unzureichende Mundhygiene.

Nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (NUG)

Eine schwere, akute Form mit Gewebezerfall (Nekrosen) an den Zahnfleischpapillen, starken Schmerzen, fauligem Mundgeruch und oft Fieber. Tritt bevorzugt bei stark geschwächtem Immunsystem auf (z.B. HIV, extremer Stress). Erfordert sofortige zahnärztliche Behandlung, ggf. mit Antibiotika [5].

Hormonelle Gingivitis

Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft, Pubertät oder durch orale Kontrazeptiva (die „Pille") verstärken die Entzündungsreaktion des Zahnfleisches auf Plaque erheblich. Bis zu 75 % aller Schwangeren entwickeln eine Schwangerschaftsgingivitis [6].

Medikamentös bedingte Gingivahyperplasie

Bestimmte Medikamente können das Zahnfleisch übermäßig wuchern lassen – Fachleute sprechen von einer Gingivahyperplasie (Zahnfleischvergrößerung): Nifedipin (ein Blutdrucksenker), Ciclosporin (ein Medikament zur Unterdrückung des Immunsystems, z. B. nach Organtransplantation) und Phenytoin (ein Medikament gegen Epilepsie). Das überschüssige Gewebe begünstigt Plaque-Ansammlung und sekundäre Entzündungen.

Gingivitis durch Vitaminmangel

Schwerer Vitamin-C-Mangel (Skorbut) kann zu Zahnfleischbluten, Schwellung und Gewebezerfall führen. Auch Vitamin-D-Mangel wird mit erhöhter Gingivitis-Anfälligkeit in Verbindung gebracht. In Industrieländern selten, aber bei Mangelernährung relevant.

3. Ursachen und Risikofaktoren

Die wichtigste Ursache für Zahnfleischentzündungen ist bakterieller Zahnbelag (Plaque) – ein klebriger Biofilm (eine dünne Schicht aus Hunderten von Bakterienarten), der sich täglich auf den Zähnen bildet. Wird er nicht regelmäßig und gründlich entfernt, reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung: Das Zahnfleisch rötet sich, schwillt an und beginnt zu bluten.

Plaque und Zahnstein als Hauptursache

Bakterielle Plaque (Zahnbelag) auf der Zahnoberfläche – Hauptursache für Zahnfleischentzündungen

Plaque ist zunächst weich und kann durch gründliches Zähneputzen entfernt werden. Wird sie jedoch nicht regelmäßig beseitigt, lagern sich Mineralstoffe aus dem Speichel ein – die Plaque verhärtet zu Zahnstein. Zahnstein bietet eine raue Oberfläche, auf der sich weitere Bakterien besonders gut ansiedeln können. Zahnstein lässt sich nur noch professionell beim Zahnarzt entfernen.

Zahnstein-Ablagerungen an den Zahnhälsen – verhärteter Zahnbelag fördert Zahnfleischentzündungen

Wenn sich Zahnstein bildet, steigt das Risiko für eine Zahnfleischentzündung deutlich, denn die raue Oberfläche bietet ideale Bedingungen für die Vermehrung schädlicher Bakterien. In der Folge kann sich die Entzündung vom Zahnfleisch auf den gesamten Zahnhalteapparat ausbreiten.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Zahnfleischentzündungen
  • Mangelnde MundhygieneDie Hauptursache: Unregelmäßiges oder unzureichendes Zähneputzen ermöglicht die Plaque-Bildung.
  • RauchenRaucher haben ein deutlich höheres Risiko. Nikotin drosselt die Durchblutung, sodass Warnsignale wie Zahnfleischbluten maskiert werden [4].
  • Diabetes mellitusHoher Blutzucker schwächt die Immunabwehr im Zahnfleisch und fördert Entzündungen. Diabetes und Gingivitis verstärken sich gegenseitig [3].
  • Hormonelle VeränderungenSchwangerschaft, Pubertät und orale Kontrazeptiva erhöhen die Empfindlichkeit des Zahnfleisches gegenüber Plaque-Bakterien [6].
  • Stress & geschwächtes ImmunsystemChronischer Stress und Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, begünstigen Entzündungsreaktionen im Mundraum.
  • Bestimmte MedikamenteNifedipin, Ciclosporin und Phenytoin können Zahnfleischwucherungen verursachen, die die Reinigung erschweren und Entzündungen begünstigen.

4. Zahnfleischentzündung und Diabetes

Der Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und Zahnfleischentzündungen ist wissenschaftlich umfassend belegt und für Patienten von großer praktischer Bedeutung. Diabetes und parodontale Erkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparates) beeinflussen sich in beide Richtungen [3]:

Empfehlung für Diabetiker
„Wenn Sie an Diabetes leiden, achten Sie besonders sorgfältig auf Ihre Mundhygiene und informieren Sie Ihren Zahnarzt über Ihre Erkrankung. Regelmäßige PZR-Termine (alle 3–6 Monate) sind bei Diabetikern besonders wichtig."

5. Gingivitis bei Kindern, Jugendlichen und in der Schwangerschaft

Zahnfleischentzündungen betreffen nicht nur Erwachsene. Kinder und Jugendliche sind häufig betroffen – vor allem während des Zahnwechsels und in der Pubertät, wenn hormonelle Veränderungen das Zahnfleisch empfindlicher machen.

Gingivitis bei Kindern

Bei Kindern ist Gingivitis in der Regel harmlos und gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Ursache ist meist eine noch nicht ausgereifte Putztechnik. Eltern sollten bis zum Alter von etwa 8 Jahren das Zähneputzen nachkontrollieren und gegebenenfalls nachputzen. Regelmäßige Zahnarztbesuche ab dem ersten Milchzahn sind wichtig, um Probleme frühzeitig zu erkennen.

Schwangerschaftsgingivitis

Bis zu 75 % aller Schwangeren entwickeln eine hormonell bedingte Zahnfleischentzündung [6]. Die steigenden Spiegel der Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron machen das Zahnfleisch empfindlicher und anfälliger für Entzündungen, selbst bei guter Mundhygiene.

Wichtig für Schwangere

Studien zeigen, dass eine unbehandelte Gingivitis bzw. Parodontitis in der Schwangerschaft das Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht erhöhen kann [6]. Ein Zahnarztbesuch im 2. Trimester wird ausdrücklich empfohlen. Eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist in der Schwangerschaft sicher und sinnvoll.

6. Diagnose: PSI-Index und Untersuchung beim Zahnarzt

Wenn eine Zahnfleischentzündung trotz verbesserter Mundhygiene nach 1–2 Wochen nicht abklingt, sollten Sie Ihren Zahnarzt aufsuchen. Die Untersuchung verläuft schonend und schmerzfrei:

  1. Sichtbefund und Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)

    Der Zahnarzt untersucht den gesamten Mundraum: Zahnfleischfarbe, Schwellungen, Blutungsneigung. Im Gespräch werden Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Medikamente und Ihre Mundhygiene-Gewohnheiten erfasst.
  2. PSI-Messung (Parodontaler Screening-Index)

    Mit einer feinen Messsonde wird an jedem Zahn die Tiefe der sogenannten Zahnfleischtasche gemessen – also des schmalen Spaltes zwischen Zahn und Zahnfleisch (Fachbegriff: Sondierungstiefe). Gesund sind Werte von 1–3 mm. Werte ab 4 mm deuten auf eine tiefere Entzündung hin. Die PSI-Messung ist Kassenleistung und wird alle 2 Jahre erstattet.
  3. Weiterführende Diagnostik (bei Bedarf)

    Bei Verdacht auf Parodontitis: Röntgenaufnahmen zur Beurteilung des Knochenabbaus. Ein Speicheltest oder DNA-basierter Keimtest kann die genauen Bakterienarten identifizieren, die die Entzündung verursachen, und die Therapie gezielt steuern. Gleichzeitig schließt der Zahnarzt andere Ursachen wie eine Zahnwurzelentzündung aus.

7. Behandlung von Zahnfleischentzündungen

Die beste Maßnahme gegen eine Zahnfleischentzündung ist regelmäßige und gründliche Zahnpflege. Selbst eine bestehende, leichte Gingivitis kann durch konsequente häusliche Mundhygiene innerhalb von 1–2 Wochen vollständig abheilen. Bei fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Entzündungen ist eine professionelle Behandlung notwendig.

Professionelle Zahnreinigung (PZR)

Die Professionelle Zahnreinigung ist die wichtigste zahnärztliche Maßnahme bei Gingivitis. Dabei werden alle weichen und harten Beläge (Plaque und Zahnstein) auch an schwer erreichbaren Stellen entfernt, die Zahnoberflächen poliert und mit einem schützenden Fluoridlack versiegelt. Die Kosten liegen bei 80–150 € und werden von vielen Krankenkassen bezuschusst.

Chlorhexidin, Mundspülungen und Antibiotika

Chlorhexidin-Mundspülungen (0,1–0,2 %) gelten laut S3-Leitlinie der DG PARO als der wirksamste antiseptische (keimtötende) Zusatz bei der Gingivitis-Therapie [2]. Sie verringern die Anzahl der schädlichen Bakterien im Mundraum deutlich und sind besonders in der Akutphase oder nach chirurgischen Eingriffen empfehlenswert.

Gut zu wissen: Chlorhexidin richtig anwenden
„Chlorhexidin-Mundspülungen sollten zeitlich begrenzt (max. 2 Wochen) angewendet werden, da bei Dauergebrauch Verfärbungen an Zähnen und Zunge, Geschmacksveränderungen und selten allergische Reaktionen auftreten können. Für den Dauereinsatz eignen sich Mundspülungen mit ätherischen Ölen oder Cetylpyridiniumchlorid (CPC) – einem milderen antibakteriellen Wirkstoff, der in vielen handelsüblichen Mundspülungen enthalten ist – besser." [2]

Antibiotika sind bei einer gewöhnlichen Gingivitis in der Regel nicht erforderlich. Sie können bei schweren Formen wie der nekrotisierenden ulzerierenden Gingivitis (NUG) oder bei Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem notwendig sein [5].

Hausmittel: Was hilft wirklich?

Spülungen mit Salbeitee, Kamille, verdünntem Teebaumöl oder Salzwasser können Beschwerden lindern und leicht antibakteriell wirken. Sie können die häusliche Pflege ergänzen, aber eine professionelle zahnärztliche Behandlung nicht ersetzen.

Expertentipp
„Eine Zahnfleischentzündung ist die Vorstufe der Parodontitis – und das Zeitfenster, in dem noch alles vollständig heilbar ist. Nehmen Sie Zahnfleischbluten ernst und warten Sie nicht, bis Schmerzen entstehen. Je früher Sie handeln, desto besser die Prognose."
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8. Wie lange dauert eine Zahnfleischentzündung und was kostet die Behandlung?

Eine leichte, akute Gingivitis klingt bei konsequenter Verbesserung der Mundhygiene meist innerhalb von 1–2 Wochen ab. Chronische Formen können über Monate bestehen und erfordern professionelle Behandlung.

Kosten im Überblick:

  • PSI-Screening: Kassenleistung (alle 2 Jahre).
  • Professionelle Zahnreinigung (PZR): 80–150 € je nach Umfang. Viele gesetzliche Kassen bezuschussen die PZR.
  • Chlorhexidin-Mundspülung: 5–15 € (rezeptfrei in der Apotheke).
  • Verschreibungspflichtige Mundspülungen: Werden in der Regel erstattet.
  • DNA-Keimtest: 50–120 € (Eigenleistung).

9. Vorbeugung: So verhindern Sie Gingivitis

Zahnfleischentzündungen lassen sich durch konsequente Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen in den meisten Fällen wirksam verhindern. Nutzen Sie diese Checkliste:

  • 2× täglich gründlich Zähne putzenMindestens 2 Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Elektrische Zahnbürsten sind nachweislich effektiver bei der Plaque-Entfernung.
  • Täglich Zahnzwischenräume reinigenInterdentalbürsten (kleine Bürstchen für die Zahnzwischenräume) oder Zahnseide verwenden – ca. 40 % der Plaque bildet sich in den Zwischenräumen.
  • Zunge reinigenTägliche Zungenreinigung mit Zungenschaber oder Zahnbürste reduziert Bakterien und Mundgeruch.
  • 2× jährlich Professionelle Zahnreinigung (PZR)Entfernt harte und weiche Beläge an schwer zugänglichen Stellen, die die häusliche Pflege nicht erreicht.
  • RauchstoppRauchen ist einer der stärksten Risikofaktoren für Gingivitis und Parodontitis [4].
  • Gesund und zuckerarm ernährenVitamin C und D unterstützen die Zahnfleischgesundheit. Zucker fördert bakterielles Plaquewachstum.
  • Stress reduzierenChronischer Stress schwächt das Immunsystem und begünstigt Entzündungsreaktionen.
  • Warnsignale ernst nehmenZahnfleischbluten, Rötung, Schwellung oder Mundgeruch? Zeitnah zum Zahnarzt!
Zungenreiniger zur Vorbeugung von Mundgeruch und Zahnfleischentzündung

Die Zungenreinigung wird oft vergessen, ist aber ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung. Auf der rauen Zungenoberfläche siedeln sich Bakterien an, die Plaque-Bildung und Mundgeruch fördern können.

10. Zahnfleischentzündung vs. Parodontitis: Der entscheidende Unterschied

Gingivitis und Parodontitis werden oft verwechselt, sind aber zwei verschiedene Stadien derselben Erkrankungskette. Der Unterschied ist entscheidend für die Prognose (den voraussichtlichen Krankheitsverlauf):

Merksatz: Jede Parodontitis beginnt als Gingivitis – aber nicht jede Gingivitis wird zur Parodontitis. Der entscheidende Punkt ist die rechtzeitige Behandlung.

Ausführlicher Ratgeber: Parodontitis

11. Häufige Fragen zur Zahnfleischentzündung (FAQ)

Wie erkenne ich eine Zahnfleischentzündung?
Typische Anzeichen sind gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, das beim Zähneputzen oder bei Berührung blutet. Oft besteht Mundgeruch (Halitosis). Schmerzen treten meist erst in fortgeschrittenen Stadien auf – deshalb bleibt Gingivitis häufig lange unbemerkt.
Wie lange dauert eine Zahnfleischentzündung?
Eine leichte, akute Gingivitis klingt bei konsequenter Mundhygiene meist innerhalb von 1–2 Wochen ab. Chronische Formen bestehen oft über Monate oder Jahre und erfordern eine professionelle zahnärztliche Behandlung.
Kann eine Zahnfleischentzündung von alleine heilen?
Eine leichte Gingivitis ist vollständig reversibel (umkehrbar) und kann durch konsequentes Zähneputzen, Interdentalreinigung (Reinigung der Zahnzwischenräume) und ggf. antibakterielle Mundspülungen (z.B. Chlorhexidin) ausheilen. Ohne Verhaltensänderung heilt sie jedoch nicht von selbst.
Hilft Mundspülung bei Zahnfleischentzündung?
Ja. Chlorhexidin-Mundspülungen (0,1–0,2 %) sind laut S3-Leitlinie der DG PARO der wirksamste antiseptische (keimtötende) Zusatz bei Gingivitis [2]. Sie sollten zeitlich begrenzt (max. 2 Wochen) angewendet werden, da Nebenwirkungen wie Verfärbungen auftreten können.
Wann muss ich mit Zahnfleischentzündung zum Zahnarzt?
Spätestens wenn das Zahnfleischbluten trotz guter Pflege nach 1–2 Wochen nicht aufhört, bei starken Schmerzen, Schwellungen, Eiterbildung oder wenn das Zahnfleisch sich vom Zahn zurückzieht. Raucher sollten besonders aufmerksam sein, da bei ihnen das Zahnfleischbluten oft ausbleibt.
Welche Hausmittel helfen bei Gingivitis?
Spülungen mit Salbeitee, Kamille oder verdünntem Teebaumöl können Beschwerden lindern. Auch Salzwasserspülungen wirken leicht antibakteriell. Hausmittel können jedoch eine professionelle Behandlung nicht ersetzen.
Sind Antibiotika bei Zahnfleischentzündung notwendig?
Bei einer gewöhnlichen Gingivitis sind Antibiotika in der Regel nicht erforderlich. Sie können bei schweren Formen wie der nekrotisierenden ulzerierenden Gingivitis (NUG) oder bei Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem notwendig sein [5].
Ist Zahnfleischentzündung ansteckend?
Die Bakterien, die Gingivitis verursachen, können durch Speichel übertragen werden (z.B. beim Küssen oder Teilen von Besteck). Ob es tatsächlich zur Entzündung kommt, hängt aber von der Mundhygiene und dem Immunsystem des Empfängers ab.
Was kostet eine Gingivitis-Behandlung?
Die zahnärztliche Kontrolle und der PSI-Test werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Eine PZR kostet je nach Umfang 80–150 €, wird aber von vielen Kassen bezuschusst. Verschreibungspflichtige Mundspülungen werden in der Regel ebenfalls erstattet.
Welche Zahnpasta bei Zahnfleischentzündung?
Empfohlen werden fluoridhaltige Zahnpasten (mindestens 1.000 ppm Fluorid). Spezielle Zahnpasten mit entzündungshemmenden Wirkstoffen (z.B. Zinnfluorid, Triclosan) können ergänzend helfen. Aggressive Whitening-Zahnpasten sollten vermieden werden.
Gingivitis in der Schwangerschaft – was tun?
Bis zu 75 % aller Schwangeren entwickeln eine Schwangerschaftsgingivitis [6]. Regelmäßige PZR, sorgfältige häusliche Pflege und ein Zahnarztbesuch im 2. Trimester sind besonders wichtig. Die Behandlung ist für Mutter und Kind sicher.
Zahnfleischentzündung bei Kindern – ist das gefährlich?
Gingivitis bei Kindern ist häufig und in der Regel harmlos, wenn sie frühzeitig behandelt wird. Besonders während des Zahnwechsels und in der Pubertät ist das Zahnfleisch anfälliger. Regelmäßige Zahnarztbesuche und altersgerechte Mundhygiene-Anleitung sind entscheidend.
Was ist der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis?
Gingivitis ist eine oberflächliche Entzündung des Zahnfleisches, die vollständig reversibel (umkehrbar) ist – der Kieferknochen ist nicht betroffen. Parodontitis ist die Folgeerkrankung: Die Entzündung hat sich auf den Zahnhalteapparat ausgebreitet und führt zu irreversiblem (nicht mehr rückgängig zu machendem) Knochenabbau. Jede Parodontitis beginnt als Gingivitis – aber nicht jede Gingivitis wird zur Parodontitis.
Wissenschaftliche Quellen & Leitlinien

Die ECDI arbeitet evidenzbasiert – das heißt, alle Empfehlungen stützen sich auf wissenschaftlich geprüfte Studienergebnisse. Dieser Artikel stützt sich auf die folgenden aktuellen Leitlinien und Studien:

  1. Trombelli, L., Farina, R., Silva, C. O. & Tatakis, D. N. (2018). Plaque-induced gingivitis: Case definition and diagnostic considerations. Journal of Clinical Periodontology, 45(Suppl 20), S44–S67. https://doi.org/10.1111/jcpe.12939
  2. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie [DG PARO] & Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde [DGZMK]. (2018). S3-Leitlinie: Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis (AWMF-Registernr. 083-016). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-016
  3. Lalla, E. & Papapanou, P. N. (2011). Diabetes mellitus and periodontitis: A tale of two common interrelated diseases. Nature Reviews Endocrinology, 7(12), 738–748. https://doi.org/10.1038/nrendo.2011.106
  4. Warnakulasuriya, S., Dietrich, T., Bornstein, M. M., Casals Peidró, E., Preshaw, P. M., Walter, C., Wennström, J. L. & Bergström, J. (2010). Oral health risks of tobacco use and effects of cessation. International Dental Journal, 60(1), 7–30. https://doi.org/10.1922/IDJ_2532Warnakulasuriya24
  5. Herrera, D., Retamal-Valdes, B., Alonso, B. & Feres, M. (2018). Acute periodontal lesions (periodontal abscesses and necrotizing periodontal diseases) and endo-periodontal lesions. Journal of Clinical Periodontology, 45(Suppl 20), S78–S94. https://doi.org/10.1111/jcpe.12941
  6. Sanz, M. & Kornman, K. (2013). Periodontitis and adverse pregnancy outcomes: Consensus report of the Joint EFP/AAP Workshop on Periodontitis and Systemic Diseases. Journal of Clinical Periodontology, 40(Suppl 14), S164–S169. https://doi.org/10.1111/jcpe.12083
  7. Jordan, A. R. (Hrsg.). (2025). Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). https://www.idz.institute/dms6
  8. Tonetti, M. S., Greenwell, H. & Kornman, K. S. (2018). Staging and grading of periodontitis: Framework and proposal of a new classification and case definition. Journal of Periodontology, 89(Suppl 1), S159–S172. https://doi.org/10.1002/JPER.18-0006
  9. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie [DG PARO] & Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde [DGZMK]. (2020). S3-Leitlinie: Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III (AWMF-Registernr. 083-043). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-043
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur über die ECDI-Arztsuche in einem persönlichen Beratungsgespräch möglich.

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