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Medizinischer Ratgeber

Parodontosebehandlung: Ablauf, Methoden, Kosten und Nachsorge

Veröffentlicht: 01.03.2021 Aktualisiert: 16.03.2026 Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc. Geprüft: Dr. med. dent. Sebastian Becher ICD-10: K05.3 / K05.4 Lesezeit: 30 Min.

Was ist eine Parodontosebehandlung? Die Parodontosebehandlung (medizinisch: systematische Parodontitis-Therapie, ICD-10: K05.3/K05.4) umfasst alle zahnärztlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der bakteriellen Entzündung des Zahnhalteapparates – von der Diagnostik mit dem sogenannten PSI (ein schneller Zahnfleisch-Check mit einer feinen Messsonde) über die antiinfektiöse Therapie (kurz AIT – die gründliche Tiefenreinigung der Zahnfleischtaschen) bis zur lebenslangen Nachsorge (kurz UPT – regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt). Seit der PAR-Richtlinie 2021 wird die Basisbehandlung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen [7].

Parodontosebehandlung auf einen Blick

Gesamtdauer
3–12 Monate + lebenslange UPT
Betäubung
Örtliche Betäubung (AIT + Chirurgie)
Kosten
Basistherapie = Kassenleistung (seit 2021)
Sitzungen (AIT)
2–4 Sitzungen à 45–90 Min.
Schmerzen
Während Eingriff: schmerzfrei / Danach: 1–3 Tage empfindlich
Nachsorge (UPT)
Alle 3–6 Monate, lebenslang

Das Wichtigste in Kürze

  • Ziel: Bakterien in den tiefen Zahnfleischtaschen entfernen, Knochenabbau stoppen, Zähne erhalten.
  • Ablauf: Diagnostik (PSI) → Vorbehandlung (PZR) → Antiinfektiöse Therapie (AIT) → Re-Evaluation → ggf. Chirurgie → lebenslange Nachsorge (UPT) [1].
  • Klassifikation: Seit 2018 wird Parodontitis in 4 Stadien (Staging) und 3 Grade (Grading) eingeteilt [2].
  • Kosten: Seit der PAR-Richtlinie 2021 übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Basisbehandlung (AIT) und Nachsorge (UPT) [7].
  • Laser: Kann die klassische Therapie ergänzen, aber laut S3-Leitlinie nicht ersetzen [1].
  • Prognose: Ca. 80 % aller Parodontosebehandlungen sind heute nicht-chirurgisch und haben sehr gute Erfolgsraten.
  • Nachsorge entscheidend: Parodontitis ist chronisch – der Behandlungserfolg hängt von der lebenslangen UPT ab.
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Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc. – Facharzt für MKG-Chirurgie und Implantologie

Dieser Fachratgeber wurde verfasst von:
Dr. med. Dr. med. dent. Thomas Müller-Hotop, M.Sc.
Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, M.Sc. Implantologie

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Dr. med. dent. Sebastian Becher – Fachzahnarzt für Parodontologie, DGP-Spezialist

Medizinisch überprüft und freigegeben von:
Dr. med. dent. Sebastian Becher
Fachzahnarzt für Parodontologie, DGP®-Spezialist für Parodontologie

Letzte medizinische Prüfung: 16.03.2026

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1. Was ist Parodontose und warum muss sie behandelt werden?

Parodontose (zahnmedizinisch korrekt: Parodontitis) ist eine bakteriell verursachte, chronische Entzündung des Zahnhalteapparates – in der Fachsprache Parodontium genannt. Dieses Gewebe besteht aus dem Zahnfleisch, dem Kieferknochen, feinen Haltefasern und der Zahnwurzeloberfläche und verankert jeden Zahn stabil im Kiefer. Wird es durch die Entzündung zerstört, kommt es zu Zahnfleischrückgang, Zahnlockerung und letztlich zum Zahnverlust.

In Deutschland ist Parodontitis eine echte Volkskrankheit: Laut der aktuellen Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6, veröffentlicht 2025) sind bereits bei den 35- bis 44-Jährigen 17,5 % von einer schweren Form (Stadium III oder IV) betroffen – und bei den 65- bis 74-Jährigen sogar 52,7 %. Insgesamt leiden rund 14 Millionen Menschen in Deutschland an behandlungsbedürftigen schweren Parodontalerkrankungen [3]. Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen – noch vor Karies.

Die Parodontosebehandlung ist der einzige Weg, den Knochenabbau zu stoppen und die Zähne langfristig zu erhalten. Sie fokussiert sich auf zwei Ziele: Erstens die bakterielle Infektion zu beseitigen, zweitens den Zahnhalteapparat so weit wie möglich zu stabilisieren oder regenerieren.

Der Unterschied: Parodontose vs. Parodontitis

Umgangssprachlich suchen Patienten nach „Parodontose". Medizinisch korrekt ist Parodontitis (Endung -itis = Entzündung) – die bakterielle Erkrankung, an der die überwiegende Mehrheit leidet. „Parodontose" (Endung -ose) bezeichnet streng genommen einen nicht-entzündlichen, degenerativen Rückgang. Da Patienten beide Begriffe synonym verwenden, deckt dieser Ratgeber beide Keywords ab.

Staging und Grading: Die moderne Klassifikation seit 2018

Seit 2018 wird Parodontitis weltweit nach dem Staging (Stadium I–IV = Schweregrad) und dem Grading (Grad A–C = Progressionsrate) eingeteilt [2]. Dieses System hat die alten Bezeichnungen „chronisch" und „aggressiv" abgelöst und ermöglicht eine individualisierte Therapieplanung. Ihr Zahnarzt bestimmt z.B. „Stadium II, Grad B" – und kann die Behandlung genau auf Ihre Situation zuschneiden.

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2. Symptome: Wann ist eine Parodontosebehandlung nötig?

Parodontitis verläuft schleichend und oft schmerzfrei. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale frühzeitig zu erkennen:

  • Zahnfleischbluten – beim Putzen, bei Berührung oder spontan
  • Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch – statt blassrosa
  • Mundgeruch (Halitosis) – trotz guter Pflege
  • Zahnfleischrückgang – die Zähne wirken „länger", empfindliche Zahnhälse
  • Zahnlockerung – Zähne wackeln oder verschieben sich
  • Eiterbildung – aus den Zahnfleischtaschen
  • Fauliger Geschmack – im Mund

Besonders hartnäckiger Mundgeruch, der trotz sorgfältiger Pflege nicht verschwindet, ist ein häufig unterschätztes Warnsignal für eine Parodontitis – die Bakterien in den tiefen Zahnfleischtaschen produzieren übelriechende Schwefelverbindungen, die durch Zähneputzen allein nicht beseitigt werden können.

Achtung Raucher Bei Rauchern bleibt das Zahnfleischbluten als Warnsignal oft aus, weil Nikotin die Durchblutung drosselt. Gleichzeitig ist das Parodontitis-Risiko 5- bis 6-mal höher [4]. Deshalb: Regelmäßige PSI-Messung beim Zahnarzt ist für Raucher besonders wichtig.

3. Diagnose: PSI-Index, Sondierung und Röntgen

Bevor die eigentliche Parodontosebehandlung beginnt, muss der Schweregrad der Erkrankung genau bestimmt werden. Die Untersuchung verläuft schonend und schmerzfrei:

  1. PSI-Messung (Parodontaler Screening-Index) 5–10 Min.

    Der Zahnarzt führt eine dünne, stumpfe Messsonde vorsichtig in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch ein – das ist die sogenannte Sondierungstiefe. Gesundes Zahnfleisch liegt eng am Zahn an: 1–3 mm sind normal. Misst die Sonde 4 mm oder mehr, hat sich eine vertiefte Zahnfleischtasche gebildet – ein klares Zeichen für Parodontitis. Die PSI-Messung ist Kassenleistung (alle 2 Jahre) und völlig schmerzfrei.
  2. Röntgendiagnostik

    Röntgenaufnahmen zeigen, wie viel Kieferknochen bereits abgebaut wurde. Der Zahnarzt kann so den Schweregrad (Staging) bestimmen.
  3. Risikofaktoren-Anamnese

    Rauchen, Diabetes, Medikamente, Stress, familiäre Vorbelastung – all diese Faktoren beeinflussen das Grading (Progressionsrate) und die Therapieplanung.
  4. Keimtest (bei Bedarf) Ergebnis in 3–5 Tagen

    Ein DNA-basierter Bakterientest kann die genauen Erreger identifizieren. Dies ist besonders bei aggressiven Verläufen sinnvoll, um eine gezielte Antibiotikatherapie einzusetzen.

4. Parodontosebehandlung Schritt für Schritt

Die Behandlung folgt einem bewährten Stufenplan gemäß der aktuellen S3-Leitlinie der DG PARO [1]:

  1. Vorbehandlung: PZR und Mundhygiene-Schulung 1–2 Sitzungen

    Bevor die tiefen Taschen gereinigt werden, müssen die Zähne oberflächlich von allen Belägen befreit werden. Das geschieht bei einer Professionellen Zahnreinigung (PZR). Außerdem erhalten Sie eine individuelle Anleitung, wie Sie zu Hause Ihre Zähne optimal pflegen können.
  2. Antiinfektiöse Therapie (AIT) – Die eigentliche Behandlung 2–4 Sitzungen à 45–90 Min.

    Das Herzstück der Parodontosebehandlung. Unter örtlicher Betäubung reinigt der Zahnarzt die Zahnwurzeln unterhalb des Zahnfleischrandes – also tief in den Taschen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Mit speziellen löffelartigen Handinstrumenten (sogenannten Küretten) oder Ultraschall werden fest an der Wurzel haftende, harte Beläge (Konkremente) schonend abgetragen. In manchen Fällen kann zusätzlich ein Antibiotikum sinnvoll sein – ob das nötig ist, zeigt oft ein Keimtest, bei dem im Labor genau bestimmt wird, welche Bakterien die Entzündung verursachen [1].
  3. Kontrolluntersuchung (Re-Evaluation) nach 3–6 Monaten

    Der Zahnarzt prüft, ob die Behandlung angeschlagen hat: Haben sich die Zahnfleischtaschen verkleinert? Blutet das Zahnfleisch noch beim Sondieren? Verbleiben tiefe Taschen (über 5–6 mm), kann eine chirurgische Behandlung notwendig werden.
  4. Chirurgische Therapie (bei Bedarf) 1–2 Std. pro Kieferhälfte

    Bei persistierenden tiefen Taschen wird das Zahnfleisch vorsichtig aufgeklappt – ähnlich wie ein Buchdeckel (sogenannte Lappenoperation). So kann der Zahnarzt die Zahnwurzel unter direkter Sicht reinigen. Gleichzeitig können regenerative Verfahren eingesetzt werden, um verlorenen Knochen teilweise wieder aufzubauen.
  5. Lebenslange Nachsorge (UPT) alle 3–6 Monate

    Der Schlüssel zum Langzeiterfolg. Parodontitis ist chronisch – wie Diabetes. Der Behandlungserfolg lässt sich nur halten, wenn Sie regelmäßig zur UPT gehen: Kontrolle der Taschen und Reinigung bei Bedarf [1].
Expertentipp
„Für eine gründliche Parodontitisbehandlung ist es nie zu spät. Ca. 80 % aller Parodontosebehandlungen sind heute nicht-chirurgisch. Durch konsequente Nachsorge (UPT) können weiterer Zahnfleischrückgang und Zahnverluste vermieden werden."

5. Chirurgische Parodontosebehandlung: Fünf Verfahren im Detail

Wenn die konservative AIT nicht ausreicht, stehen verschiedene chirurgische Verfahren zur Verfügung. Der ECDI-Verbund verfügt über spezialisierte Parodontologen mit Erfahrung in allen modernen Techniken:

1 Offene Kürettage / Lappenoperation

Das Zahnfleisch wird aufgeklappt, um die Zahnwurzeln unter direkter Sicht von fest sitzenden Belägen und entzündetem Gewebe zu reinigen. Der wichtigste Effekt: Die für die Parodontitis verantwortlichen Bakterien werden entfernt und die Zahnfleischtaschen können sich wieder verkleinern.

2 Gesteuerte Geweberegeneration (GTR)

Mit speziellen dünnen Folien (resorbierbaren Membranen), die sich mit der Zeit von selbst auflösen, wird ein geschützter Raum um den Knochendefekt geschaffen. So kann sich neues Knochen- und Bindegewebe in Ruhe regenerieren, ohne dass schnell wachsendes Zahnfleischgewebe den Raum vorzeitig besetzt. Man kann sich das vorstellen wie ein Gerüst, das dem Knochen Zeit gibt, nachzuwachsen.

3 Knochenaufbau mit Emdogain oder Knochenersatzmaterial

Wenn sich Kieferknochen durch Parodontitis zurückgebildet hat, kann die Transplantation von natürlichem Knochenmaterial oder Knochenersatz den Defekt auffüllen. Emdogain ist ein spezielles Gel aus natürlichen Eiweißstoffen (sogenannten Schmelz-Matrix-Proteinen), das auf die Wurzeloberfläche aufgetragen wird und die körpereigene Knochen- und Geweberegeneration anregt – der Körper wird also angestupst, selbst neues Gewebe zu bilden.

4 Plastische Parodontalchirurgie

Wenn Zahnfleischrückgang zu einem ästhetischen Problem führt (Zähne wirken „lang", ungleichmäßiger Zahnfleischverlauf), kann der Zahnarzt den zahnfleischlosen Bereich mit kleinen Gewebeteilen von einer anderen Stelle (z.B. dem Gaumen) korrigieren.

5 Resektive Chirurgie (Gewebeentfernung)

Bei sehr tiefen Knochentaschen, in denen eine Regeneration nicht mehr möglich ist, wird ein anderer Ansatz gewählt: Der Zahnarzt entfernt das chronisch entzündete Gewebe und glättet die unregelmäßige Knochenoberfläche. Das Ziel ist, die Taschen so flach zu gestalten, dass Sie sie künftig mit Zahnbürste und Interdentalbürste selbst sauber halten können.

6. Laser und Photodynamische Therapie (aPDT)

Manche Zahnarztpraxen bieten ergänzend zur AIT eine Laserbehandlung oder eine sogenannte antimikrobielle Photodynamische Therapie (aPDT) an. Bei der aPDT wird ein spezieller Farbstoff in die Zahnfleischtasche eingebracht und anschließend mit einem sanften Licht aktiviert – dadurch werden die Bakterien gezielt abgetötet, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen.

Gut zu wissen: Laser bei Parodontitis
„Die aktuelle S3-Leitlinie kommt zu dem Ergebnis, dass Laserverfahren die klassische Reinigung (AIT) ergänzen, aber nicht ersetzen können. Ein nachgewiesener Zusatznutzen gegenüber der herkömmlichen Behandlung allein konnte bisher nicht belegt werden. Laserbehandlungen sind zudem keine Kassenleistung." [1]

7. Antibiotika und Chlorhexidin bei Parodontitis

Antibiotika werden bei einer Parodontosebehandlung nicht routinemäßig eingesetzt – die meisten Fälle lassen sich allein durch die mechanische Reinigung (AIT) erfolgreich behandeln. Bei besonders aggressiven Bakterienstämmen oder schweren Verläufen kann eine begleitende Antibiotikatherapie jedoch sinnvoll sein. Ob das in Ihrem Fall nötig ist, zeigt ein mikrobiologischer Keimtest: Dabei wird eine kleine Probe aus der Zahnfleischtasche entnommen und im Labor analysiert, um die genauen Erreger zu identifizieren [1].

Chlorhexidin-Mundspülungen (0,1–0,2 %) sind laut der aktuellen S3-Leitlinie der wirksamste keimtötende Zusatz bei der Parodontitis-Behandlung. Sie werden vor allem in der Akutphase und in den ersten Tagen nach chirurgischen Eingriffen empfohlen, um die Bakterienlast im Mund zu reduzieren [8]. Wichtig: Die Anwendung sollte auf maximal 2 Wochen begrenzt sein, da bei längerem Gebrauch bräunliche Verfärbungen an Zähnen und Zunge sowie Geschmacksveränderungen auftreten können. Für die Langzeitanwendung eignen sich Mundspülungen mit ätherischen Ölen besser.

8. Ist eine Parodontosebehandlung schmerzhaft?

Eine der häufigsten Sorgen von Patienten – und gleichzeitig eine der größten Hürden, die Behandlung überhaupt anzugehen. Die gute Nachricht: Die Behandlung wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist während des Eingriffs schmerzfrei. Sie spüren lediglich ein Druckgefühl, aber keinen Schmerz. Nach der AIT können die behandelten Stellen für 1–3 Tage empfindlich reagieren, etwa auf kalte oder heiße Getränke. Chirurgische Eingriffe können stärkere Beschwerden verursachen, die aber mit gängigen Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen) gut kontrollierbar sind. Die meisten Patienten berichten, dass die Behandlung deutlich weniger unangenehm war als erwartet.

9. Kosten und Krankenkasse (PAR-Richtlinie 2021)

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Seit der neuen PAR-Richtlinie (Juli 2021) haben gesetzlich versicherte Patienten einen klaren Anspruch auf eine vollständige Parodontitis-Behandlung als Kassenleistung [7]. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen:

  • Die Untersuchung und Diagnose (inkl. PSI-Messung).
  • Das ausführliche Beratungsgespräch (Mundhygiene-Instruktion).
  • Die Hauptbehandlung: Reinigung der Zahnwurzeln in den Taschen (AIT).
  • Die regelmäßige Nachsorge (UPT) über einen Zeitraum von meist zwei Jahren.

Wichtig: Der Behandlungsplan muss vor Therapiebeginn bei der Kasse eingereicht und genehmigt werden.

Wann fallen private Kosten an? Die PZR vor der AIT ist häufig eine Eigenleistung (80–150 €, von vielen Kassen bezuschusst). Zusatzverfahren wie Laserbehandlung (200–400 €), DNA-Keimtest (50–120 €) oder chirurgischer Knochenaufbau mit Emdogain (300–1.500 €) sind keine Kassenleistung.

10. Parodontose und Allgemeingesundheit

Parodontitis betrifft nicht nur den Mund. Bakterien und Entzündungsstoffe gelangen über die Blutbahn in den gesamten Körper [5]:

11. Hausmittel gegen Parodontose – was hilft wirklich?

Patienten suchen häufig nach natürlichen Hausmitteln gegen wackelnde Zähne oder Zahnfleischschmerzen. Es kursieren Tipps wie Ölziehen, Spülungen mit Salzwasser, Kamille, Salbei oder das Auftragen von Teebaumöl.

Wichtiger Hinweis zu Hausmitteln: Hausmittel besitzen oftmals eine entzündungshemmende oder antibakterielle Komponente und können akute Beschwerden lindern. Aber: Sie dringen nicht tief genug in die Zahnfleischtasche ein, um den harten bakteriellen Biofilm auf der Zahnwurzel aufzubrechen. Hausmittel können eine zahnärztliche Parodontitis-Therapie nicht ersetzen. Unbehandelt schreitet der Knochenabbau trotz Spülungen weiter voran.

12. Vorbeugung und Nachsorge: So erhalten Sie den Behandlungserfolg

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung – der Behandlungserfolg hängt entscheidend von Ihrer Mitarbeit und der regelmäßigen Nachsorge (UPT) ab:

  • 2× täglich gründlich Zähne putzenMindestens 2 Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Elektrische Zahnbürsten entfernen nachweislich mehr Plaque.
  • Täglich Zahnzwischenräume reinigenInterdentalbürsten oder Zahnseide verwenden – ca. 40 % der Plaque bildet sich in den Zwischenräumen.
  • Regelmäßig zur UPT / PZRJe nach Schweregrad alle 3–6 Monate. Der Schlüssel zum Langzeiterfolg der Parodontosebehandlung.
  • Rauchen aufhörenRaucher haben ein 5- bis 6-fach höheres Risiko [4]. Ein Rauchstopp verbessert die Prognose erheblich.
  • Diabetes gut einstellenEin HbA1c unter 7 % senkt das Parodontitis-Risiko deutlich [6].
  • Gesund ernährenVitamin C und D unterstützen die Zahnfleischgesundheit. Zucker fördert Plaquewachstum.

13. Häufige Fragen zur Parodontosebehandlung (FAQ)

Ist Parodontose heilbar?
Parodontitis ist chronisch und nicht heilbar im klassischen Sinne. Durch systematische Behandlung (AIT) und lebenslange Nachsorge (UPT) kann sie dauerhaft kontrolliert und der weitere Knochenabbau gestoppt werden.
Wie läuft eine Parodontosebehandlung ab?
Die Behandlung folgt einem Stufenplan gemäß S3-Leitlinie: 1) Diagnostik mit PSI-Messung und Röntgen, 2) Vorbehandlung mit PZR und Mundhygiene-Schulung, 3) Antiinfektiöse Therapie (AIT) – Reinigung der Zahnfleischtaschen unter örtlicher Betäubung, 4) Re-Evaluation nach 3–6 Monaten, 5) ggf. chirurgische Therapie, 6) lebenslange Nachsorge (UPT) [1].
Was kostet eine Parodontosebehandlung?
Seit der PAR-Richtlinie (Juli 2021) übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Basisbehandlung (AIT) und die Nachsorge (UPT) [7]. Eigenleistungen können für PZR (80–150 €), Keimtest (50–120 €), Laser oder Knochenaufbau anfallen.
Zahlt die Krankenkasse die Parodontosebehandlung?
Ja. Seit der PAR-Richtlinie 2021 ist die systematische Parodontitis-Behandlung (Diagnostik, AIT, UPT) eine Kassenleistung. Voraussetzung: Sondierungstiefen ab 4 mm müssen nachgewiesen werden. Der Behandlungsplan muss vor Therapiebeginn bei der Kasse eingereicht werden.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Behandlung wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist während des Eingriffs schmerzfrei. Nach der AIT können die Stellen 1–3 Tage empfindlich sein. Chirurgische Eingriffe können stärkere, aber gut kontrollierbare Beschwerden verursachen.
Wie lange dauert eine Parodontosebehandlung?
Die Gesamtbehandlung erstreckt sich über mehrere Monate: Vorbehandlung (1–2 Sitzungen), AIT (2–4 Sitzungen à 45–90 Min.), Re-Evaluation nach 3–6 Monaten. Chirurgische Eingriffe dauern 1–2 Stunden pro Kieferhälfte. Die Nachsorge (UPT) ist lebenslang.
Bringt eine Laserbehandlung bei Parodontitis etwas?
Die aktuelle S3-Leitlinie sieht keinen gesicherten zusätzlichen Nutzen von Laserverfahren gegenüber der alleinigen konventionellen Therapie (AIT) [1]. Laser können ergänzen, aber nicht ersetzen. Sie sind zudem keine Kassenleistung.
Helfen Hausmittel gegen Parodontose?
Hausmittel wie Ölziehen, Salzwasser- oder Kamillespülungen können Beschwerden kurzfristig lindern. Aber: Sie dringen nicht tief genug in die Zahnfleischtasche ein, um den bakteriellen Biofilm auf der Zahnwurzel zu entfernen. Sie können eine professionelle Therapie nicht ersetzen.
Was ist der Unterschied zwischen AIT und chirurgischer Therapie?
Bei der AIT (antiinfektiöse Therapie) werden die Zahnfleischtaschen „geschlossen" – also ohne Aufklappen des Zahnfleisches – gereinigt. Bei der chirurgischen Therapie wird das Zahnfleisch aufgeklappt (Lappenoperation), um unter direkter Sicht tiefliegende Beläge zu entfernen oder Knochen aufzubauen.
Was ist Staging und Grading bei Parodontitis?
Seit 2018 wird Parodontitis nach dem Staging (Stadium I–IV, Schweregrad) und dem Grading (Grad A–C, Progressionsrate) klassifiziert [2]. Dieses System ersetzt die Begriffe „chronisch" und „aggressiv" und ermöglicht eine individualisierte Therapieplanung.
Wie oft muss ich zur Nachsorge (UPT)?
Die UPT (Unterstützende Parodontitistherapie) erfolgt je nach Schweregrad alle 3 bis 6 Monate – lebenslang. Die GKV übernimmt die Kosten im Rahmen der PAR-Richtlinie für einen Zeitraum von meist 2 Jahren. Danach ist die PZR eine Eigenleistung.
Parodontose in der Schwangerschaft – was tun?
Unbehandelte Parodontitis erhöht das Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht [9]. Ein Zahnarztbesuch im 2. Trimester wird empfohlen. Nicht-chirurgische Behandlungen (AIT) sind in der Schwangerschaft sicher.
Werden lockere Zähne nach der Behandlung wieder fest?
Oft ja. Je früher die Entzündung gestoppt wird und je mehr Knochen vorhanden ist, desto höher die Chance auf Stabilisierung. Stark gelockerte Zähne mit massivem Knochenabbau können jedoch nicht immer erhalten werden.
Kommt nach Parodontitis eine Implantatversorgung in Frage?
Ja, sofern die Parodontitis vorher erfolgreich behandelt wurde und Entzündungsfreiheit herrscht. Ohne Vorbehandlung droht Periimplantitis [10]. Lebenslange Nachsorge ist entscheidend.
Wissenschaftliche Quellen und Leitlinien

Die ECDI arbeitet evidenzbasiert. Dieser Artikel stützt sich auf die folgenden aktuellen Leitlinien und Studien:

  1. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) & Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). (2020). S3-Leitlinie: Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III (AWMF-Registernr. 083-043). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-043
  2. Tonetti, M. S., Greenwell, H. & Kornman, K. S. (2018). Staging and grading of periodontitis: Framework and proposal of a new classification and case definition. Journal of Periodontology, 89(Suppl 1), S159–S172. https://doi.org/10.1002/JPER.18-0006
  3. Eickholz, P., Holtfreter, B., Kuhr, K., Dannewitz, B., Jordan, A. R. & Kocher, T. (2025). Prävalenz von Parodontalerkrankungen in Deutschland: Ergebnisse der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 80(2), 102–110. https://www.deutsche-mundgesundheitsstudie.de
  4. Warnakulasuriya, S., Dietrich, T., Bornstein, M. M., Casals Peidró, E., Preshaw, P. M., Walter, C., Wennström, J. L. & Bergström, J. (2010). Oral health risks of tobacco use and effects of cessation. International Dental Journal, 60(1), 7–30. https://doi.org/10.1922/IDJ_2532Warnakulasuriya24
  5. Sanz, M., Marco del Castillo, A., Jepsen, S. et al. (2020). Periodontitis and cardiovascular diseases: Consensus report (Joint EFP/WHF Workshop). Journal of Clinical Periodontology, 47(3), 268–288. https://doi.org/10.1111/jcpe.13189
  6. Lalla, E. & Papapanou, P. N. (2011). Diabetes mellitus and periodontitis: A tale of two common interrelated diseases. Nature Reviews Endocrinology, 7(12), 738–748. https://doi.org/10.1038/nrendo.2011.106
  7. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). (2021). Richtlinie über die Behandlung von Parodontitis und anderen Erkrankungen des Zahnhalteapparates (PAR-Richtlinie). In Kraft getreten am 01.07.2021. https://www.g-ba.de/richtlinien/summary/54/
  8. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) & Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). (2018). S3-Leitlinie: Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis (AWMF-Registernr. 083-016). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-016
  9. Sanz, M. & Kornman, K. (2013). Periodontitis and adverse pregnancy outcomes: Consensus report of the Joint EFP/AAP Workshop. Journal of Clinical Periodontology, 40(Suppl 14), S164–S169. https://doi.org/10.1111/jcpe.12083
  10. Schwarz, F., Derks, J., Monje, A. & Wang, H.-L. (2018). Peri-implantitis. Journal of Clinical Periodontology, 45(Suppl 20), S246–S266. https://doi.org/10.1111/jcpe.12954
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur über die ECDI-Arztsuche in einem persönlichen Beratungsgespräch möglich.

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  • Implantate sind nicht für jeden geeignet. Bei Risiken wie Erkrankungen oder schlechter Mundhygiene ist klassischer Zahnersatz oft die bessere Wahl.

  • Brücken sind günstiger und schneller als Implantate, erfordern aber Zahnsubstanzverlust und können ästhetische Nachteile bringen.

  • Implantate brauchen Zeit zum Einheilen – wie ein Knochenbruch. Gute Hygiene, Rauchverzicht und Geduld fördern die Heilung und den Erfolg.

  • Die Implantation ist ein geplanter Routineeingriff. Kühlung, Hygiene und ggf. Medikamente helfen, Schwellung und Schmerzen gering zu halten.