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Medizinischer Ratgeber

Parodontitis (Parodontose): Ursachen, Klassifikation, Behandlung und Kosten

Veröffentlicht: 26.02.2021 Aktualisiert: 10.03.2026 Autor: Dr. med. dent. Sebastian Becher ICD-10 Code: K05.3 Lesezeit: 30 Min.

Was ist Parodontitis? Parodontitis (umgangssprachlich oft Parodontose genannt) ist eine durch Bakterien im Zahnbelag verursachte, chronische Entzündung des Zahnhalteapparates. Unbehandelt führt sie zum Abbau des Kieferknochens und letztlich zum Zahnverlust. In Deutschland sind laut der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) etwa 65 % der 35- bis 44-Jährigen betroffen [1].

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Unterschied: „Parodontose" ist der umgangssprachliche Begriff. Medizinisch korrekt heißt die Erkrankung Parodontitis – eine bakterielle Entzündung, die den Kieferknochen abbaut.
  • Verbreitung: Über die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland ist betroffen – Parodontose ist eine echte Volkskrankheit [1].
  • Erste Warnsignale: Zahnfleischbluten beim Putzen, Rötungen, Schwellungen und anhaltender Mundgeruch.
  • Klassifikation: Seit 2018 wird Parodontitis in 4 Stadien (Schweregrad) und 3 Grade (Fortschreiten) eingeteilt [2].
  • Behandlung: In der Hauptbehandlung (AIT) werden die Zahnfleischtaschen unter örtlicher Betäubung gründlich von Bakterien und Ablagerungen befreit.
  • Kosten: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen seit 2021 die Kosten für die Basistherapie und die Nachsorge.
  • Folgen für den Körper: Unbehandelt erhöht Parodontitis das Risiko für Herzinfarkt, Diabetes-Komplikationen und Schlaganfall [3].
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Dr. Sebastian Becher

Dieser fachmedizinische Ratgeber wurde verfasst von:
Dr. med. dent. Sebastian Becher
Fachzahnarzt für Parodontologie, DGP®-Spezialist für Parodontologie

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1. Wie entsteht Parodontitis und was ist „Parodontose“?

Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates – also des Gewebes, das den Zahn im Kiefer verankert. Dazu gehören das Zahnfleisch, der Kieferknochen, die Zahnwurzel-Oberfläche und feine Haltefasern, die den Zahn elastisch im Knochen aufhängen.

Schematischer Aufbau des Zahnhalteapparates

Umgangssprachlich suchen die meisten Patienten nach Hilfe bei "Parodontose". Aus zahnmedizinischer Sicht versteht man unter Parodontose jedoch einen rein mechanischen, nicht-entzündlichen Rückgang des Zahnfleischs (etwa durch zu festes Putzen). Die durch Bakterien ausgelöste, gewebezerstörende Form, an der die meisten Patienten leiden, ist medizinisch korrekt die Parodontitis.

Ursachen und Risikofaktoren

Expertentipp des Autors
„Eine Parodontitis ist keine Lappalie, sondern eine ernst zu nehmende Gesundheitsstörung, die Auswirkungen auf den gesamten Körper haben kann. Deswegen ist ihre Behandlung allein schon aus allgemeinmedizinischen Gründen notwendig.“

2. Wie häufig ist Parodontitis (Parodontose)?

Parodontose ist eine echte Volkskrankheit und weit verbreitet. Die bisher umfangreichste Untersuchung in Deutschland – die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) – zeigt, wie viele Menschen betroffen sind [1]:

Parodontitis-Prävalenz nach Altersgruppe

Anteil der Betroffenen in Deutschland (moderate + schwere Parodontitis)
Jüngere Erwachsene (35–44 J.)~ 67 %
67 %
Jüngere Senioren (65–74 J.)~ 65 %
65 %
Ältere Senioren (75–100 J.)~ 90 %
90 %
Quelle: Jordan, A. R. et al.: DMS V (2016), IDZ-Materialienreihe Bd. 35 [1]

Schweregrad-Verteilung bei Erwachsenen (35–44 J.)

Anteil der Parodontitis-Schweregrade
Keine Parodontitis~ 33 %
33 %
Moderate Parodontitis~ 52 %
52 %
Schwere Parodontitis~ 15 %
15 %
Quelle: DMS V (2016) [1]

Wesentliche Erkenntnisse:

  • Bei den jüngeren Erwachsenen (35–44 J.) weisen ca. 52 % eine moderate und ca. 15 % eine schwere Parodontitis auf.
  • Bei den jüngeren Senioren (65–74 J.) steigt die Gesamtprävalenz auf über 65 % (davon ca. 20 % schwer).
  • Bei den älteren Senioren (75–100 J.) sind über 90 % betroffen.
  • Männer sind häufiger und schwerer betroffen als Frauen.
  • Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter – noch vor Karies.

3. Parodontitis (Parodontose): Verlauf & Symptome in 3 Stadien

Parodontose entwickelt sich schleichend – oft über Jahre hinweg. Ohne Behandlung dringt die Entzündung immer tiefer in den Kiefer vor. Zahnärzte unterscheiden drei wesentliche Phasen: von der noch harmlosen Zahnfleischentzündung bis hin zur schweren Zerstörung des Kieferknochens [2].

Detaildarstellung: Zahnfleischentzündung (Gingivitis) mit Rötung und Schwellung am Zahnfleischrand

1 Zahnfleischentzündung (Gingivitis)

Bakterieller Zahnbelag am Zahnfleischrand löst eine oberflächliche Entzündung aus – die sogenannte Gingivitis. Sie ist die Vorstufe der Parodontitis. Die gute Nachricht: In diesem Stadium ist noch alles vollständig heilbar, weil der Kieferknochen noch nicht angegriffen ist [7].

  • Optik: Das Gewebe ist dunkelrot, geschwollen und verliert seine feste Struktur.
  • Symptome: Wiederkehrendes Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder Essen.
  • Gewebe: Die Zahnfleischtaschen sind unauffällig (1-3 mm), kein Knochenabbau.
  • Therapie: Eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) und optimale häusliche Hygiene stoppen den Prozess.
Ausführlicher Ratgeber: Zahnfleischentzündung
Detaildarstellung: Mäßig fortgeschrittene Parodontitis mit Taschenbildung, Konkrementen und beginnendem Knochenabbau

2 Mäßig fortgeschrittene Parodontitis

Wird die Zahnfleischentzündung nicht behandelt, dringen die Bakterien tiefer ein. Die Entzündung greift jetzt auf den Kieferknochen über. Ab diesem Punkt ist der Gewebeverlust nicht mehr rückgängig zu machen.

  • Taschenbildung: Es entstehen vertiefte Zahnfleischtaschen (ca. 4 bis 5 mm).
  • Ablagerungen: Harte Beläge setzen sich unterhalb des Zahnfleischrandes direkt an der Zahnwurzel fest.
  • Knochenabbau: Auf Röntgenbildern wird erstmals ein Knochenverlust sichtbar.
  • Symptome: Das Zahnfleisch zieht sich zurück (die Zähne wirken länger), empfindliche Zahnhälse, gelegentlich fauliger Geschmack oder Mundgeruch.
Detaildarstellung: Weit fortgeschrittene, schwere Parodontitis mit massivem Knochenabbau, Eiterbildung und Zahnlockerung

3 Weit fortgeschrittene (schwere) Parodontitis

Das Endstadium der Erkrankung. Der Zahnhalteapparat ist großflächig zerstört. Der Kieferknochen ist bis in die Tiefe abgebaut. Die betroffenen Zähne können oft nur noch durch aufwendige Eingriffe gerettet werden – oder müssen entfernt werden.

  • Massive Taschen: Die Taschentiefen betragen über 6 mm.
  • Knochenverlust: Der Knochen ist fast vollständig abgebaut, teils bis an die Wurzelspitze. Die Stellen, an denen sich die Zahnwurzeln gabeln, liegen frei.
  • Symptome: Eiter tritt aus den entzündeten Taschen aus.
  • Zahnverlust droht: Die Zähne lockern sich stark, verschieben sich und fallen ohne Behandlung aus.

Zusammenfassung: Der Krankheitsverlauf im Überblick

Übersichtsgrafik: Die Entwicklung von gesundem Zahnfleisch bis zur schweren Parodontitis

Der Übergang ist fließend: Von einem gesunden, blassrosa Zahnfleisch entwickelt sich zunächst eine oberflächliche Entzündung (Gingivitis). Werden die bakteriellen Beläge jetzt nicht professionell entfernt, wandert die Entzündung am Zahn entlang in die Tiefe. Das Zahnfleisch löst sich ab, tiefe Taschen entstehen und der Kieferknochen wird systematisch abgebaut – bis der Zahn seinen Halt verliert.

4. Parodontitis-Klassifikation: Staging & Grading

Seit 2018 teilen Zahnärzte weltweit Parodontitis nach einem einheitlichen System ein: dem Staging (wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten?) und dem Grading (wie schnell schreitet sie voran?) [2]. Dieses System hat die älteren Bezeichnungen wie „chronische" oder „aggressive" Parodontitis abgelöst. Es ermöglicht Ihrem Zahnarzt, die Behandlung genau auf Ihre persönliche Situation abzustimmen.

Staging (Stadium I–IV)

Wie schwer ist die Parodontitis? Gemessen wird anhand des Knochenverlusts und der Anzahl bereits verlorener Zähne.

StadiumSchweregradGewebeverlustKnochenabbau
IBeginnend1–2 mm< 15 %
IIModerat3–4 mm15–33 %
IIISchwer≥ 5 mm> 33 %, ≤ 4 Zahnverluste
IVSehr schwer≥ 5 mm> 33 %, ≥ 5 Zahnverluste

Grading (Grad A–C)

Wie schnell schreitet die Erkrankung voran? Beeinflusst durch Rauchen und Diabetes.

GradProgressionRisikoprofil
ALangsamNichtraucher, kein Diabetes
BModerat< 10 Zig./Tag oder HbA1c < 7 %
CSchnell≥ 10 Zig./Tag oder HbA1c ≥ 7 %

Was bedeutet das für Sie? Ihr Zahnarzt bestimmt eine Kombination aus Stadium und Grad – zum Beispiel „Stadium II, Grad B". Ein Beispiel: Zwei Patienten können beide im Stadium II sein (gleicher Knochenabbau), aber unterschiedliche Grade haben. Ein Nichtraucher (Grad A) braucht eine andere Strategie als ein Raucher mit Diabetes (Grad C), weil die Erkrankung beim zweiten Patienten schneller fortschreitet. So kann Ihr Zahnarzt die Behandlung genau auf Sie zuschneiden [8].

5. Parodontosebehandlung: Ablauf Schritt für Schritt

Das Ziel jeder Parodontosebehandlung ist klar: Die Bakterien in den tiefen Zahnfleischtaschen gründlich entfernen, den Knochenabbau stoppen und die Zähne erhalten. Die Behandlung folgt einem bewährten Stufenplan gemäß der aktuellen deutschen Leitlinie [8]:

  1. Diagnostik: Wie tief sind die Taschen?

    Mit einer feinen Messsonde prüft der Zahnarzt an jedem Zahn, wie tief die Zahnfleischtaschen sind (gemessen in Millimetern). Röntgenbilder zeigen, wie viel Kieferknochen bereits abgebaut wurde. Im Gespräch werden Ihre persönlichen Risikofaktoren besprochen.
  2. Vorbehandlung: Professionelle Zahnreinigung (PZR)

    Bevor die tiefen Taschen gereinigt werden, müssen die Zähne zunächst oberflächlich von allen Belägen befreit werden. Das geschieht bei einer Professionellen Zahnreinigung (PZR). Außerdem bekommen Sie eine genaue Anleitung, wie Sie zu Hause Ihre Zähne optimal pflegen können.
  3. Antiinfektiöse Therapie (AIT) – Die eigentliche Behandlung

    Das Herzstück der Behandlung. Unter örtlicher Betäubung reinigt der Zahnarzt die Zahnwurzeln unterhalb des Zahnfleischrandes – also tief in den Taschen. Mit feinen Handinstrumenten (Küretten) oder Ultraschall werden die fest sitzenden Bakterienbeläge schonend abgetragen. In manchen Fällen – etwa bei besonders aggressiven Bakterien – kann zusätzlich ein Antibiotikum sinnvoll sein. Ob das nötig ist, zeigt oft ein Keimtest (eine Art Laboruntersuchung, die genau bestimmt, welche Bakterien die Entzündung verursachen) [8].
  4. Kontrolle & ggf. chirurgischer Eingriff

    Nach 3 bis 6 Monaten prüft der Zahnarzt, ob sich die Zahnfleischtaschen zurückgebildet haben. Falls tiefe Taschen (über 5–6 mm) bestehen bleiben, kann ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig werden. Dabei wird das Zahnfleisch kurz aufgeklappt, um die Zahnwurzel unter direkter Sicht zu reinigen oder Knochenmaterial einzubringen, das den Knochen wieder aufbauen kann.
  5. Lebenslange Nachsorge (UPT) – der Schlüssel zum Langzeiterfolg

    Parodontitis ist eine chronische Erkrankung – ähnlich wie Diabetes. Der Behandlungserfolg lässt sich nur halten, wenn Sie regelmäßig zur Nachsorge (UPT) gehen. Je nach Schweregrad alle 3 bis 6 Monate: Der Zahnarzt kontrolliert die Taschen und reinigt sie bei Bedarf nach.
„Für eine gründliche Parodontitisbehandlung ist es nie zu spät. Durch diese können weiterer Zahnfleischrückgang und vor allem Zahnverluste vermieden werden. Übrigens sind heute ca. 80% aller 'Parodontosebehandlungen' nicht-chirurgisch!“

6. Parodontosebehandlung: Kosten & Krankenkasse

Seit der neuen PAR-Richtlinie (Juli 2021) haben gesetzlich versicherte Patienten in Deutschland einen klaren Anspruch auf eine vollständige Parodontitis-Behandlung als Kassenleistung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen:

  • Die Untersuchung und Diagnose (inkl. Messung der Zahnfleischtaschen).
  • Das ausführliche Beratungsgespräch zur Erkrankung und Therapie.
  • Die Hauptbehandlung: die gründliche Reinigung der Zahnwurzeln in den Taschen (AIT).
  • Die regelmäßige Nachsorge (UPT) über einen Zeitraum von meist zwei Jahren.

Wann fallen private Kosten an?
Die professionelle Zahnreinigung (PZR) vor der eigentlichen Behandlung ist häufig eine Eigenleistung – wird aber von vielen Kassen bezuschusst. Ebenso werden Zusatzverfahren wie Lasertherapie, DNA-Bakterientests oder chirurgischer Knochenaufbau (z. B. mit Emdogain®) nicht von der gesetzlichen Kasse übernommen und müssen privat oder über eine Zahnzusatzversicherung bezahlt werden.

7. Parodontitis (Parodontose) & Allgemeingesundheit

Parodontose betrifft nicht nur den Mund. Die Bakterien aus den entzündeten Zahnfleischtaschen und die Entzündungsstoffe, die der Körper als Abwehrreaktion produziert, gelangen über die Blutbahn in den gesamten Körper [3]. Dort können sie verschiedene Erkrankungen auslösen oder verschlimmern:

Aus der Praxis
„Parodontitis ist weit mehr als ein Zahnproblem – sie belastet den ganzen Körper. Deshalb arbeiten wir eng mit Hausärzten und Diabetologen zusammen, besonders bei Patienten mit Vorerkrankungen."

8. Parodontose in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt stark. Östrogen und Progesteron steigen an – und das hat direkte Auswirkungen auf das Zahnfleisch: Es wird stärker durchblutet, schwillt leichter an und reagiert empfindlicher auf Bakterien. Die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis (Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft) betrifft bis zu 75 % aller Schwangeren [6].

Warum Parodontose in der Schwangerschaft besonders wichtig ist

Studien zeigen: Eine unbehandelte Parodontitis kann nicht nur der Mutter schaden, sondern auch dem ungeborenen Kind:

Frühgeburt

Die Entzündungsstoffe aus den Zahnfleischtaschen können über den Blutkreislauf vorzeitige Wehen auslösen. Das Risiko für eine Frühgeburt ist bei Parodontitis bis zu doppelt so hoch [6].

Zu geringes Geburtsgewicht

Die dauerhafte Entzündung im Körper kann dazu führen, dass das Baby bei der Geburt weniger als 2.500 g wiegt – mit möglichen Folgen für seine Entwicklung.

Schwangerschaftsvergiftung

Es gibt Hinweise, dass eine schwere Parodontitis auch das Risiko für eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung mit Bluthochdruck) erhöhen kann.

Empfehlung

Zahnärztliche Kontrolle idealerweise schon bei Kinderwunsch. Zahnarztbesuch im 2. Trimester besonders empfohlen. Eine PZR ist in der Schwangerschaft sicher und sinnvoll.

9. Vorbeugung: So schützen Sie sich vor Parodontose

Parodontitis (Parodontose) lässt sich durch konsequente Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen in den meisten Fällen wirksam verhindern oder frühzeitig erkennen. Nutzen Sie diese Checkliste:

  • 2× täglich gründlich Zähne putzenMindestens 2 Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Elektrische Zahnbürsten entfernen in Studien signifikant mehr Plaque als Handzahnbürsten.
  • Täglich Zahnzwischenräume reinigenInterdentalbürsten oder Zahnseide verwenden – in den Zahnzwischenräumen entsteht rund 40 % der gesamten Plaque.
  • 2× jährlich zur Professionellen Zahnreinigung (PZR)Beim Zahnarzt werden harte und weiche Beläge auch an schwer erreichbaren Stellen entfernt, die die häusliche Pflege nicht erreicht.
  • Rauchen aufhörenRaucher haben ein 5- bis 6-fach höheres Parodontitis-Risiko [4]. Ein Rauchstopp verbessert die Prognose und das Ansprechen auf die Therapie erheblich.
  • Diabetes gut einstellenEin HbA1c-Wert unter 7 % senkt das Parodontitis-Risiko deutlich. Diabetes und Parodontose verstärken sich gegenseitig – deshalb ist die Kontrolle beider Erkrankungen so wichtig [5].
  • Gesund und zuckerarm ernährenVitamin C und D unterstützen die Zahnfleischgesundheit. Zucker und Säuren fördern bakterielles Plaquewachstum.
  • Stress reduzierenChronischer Stress schwächt das Immunsystem und begünstigt Entzündungsreaktionen im Zahnhalteapparat.
  • Warnsignale ernst nehmenZahnfleischbluten, Mundgeruch, Rötungen oder zurückgehendes Zahnfleisch sind Frühwarnsignale – suchen Sie zeitnah einen Zahnarzt auf.
Aus der Praxis
„Parodontitis ist weit mehr als ein Zahnproblem – sie belastet den ganzen Körper. Deshalb arbeiten wir eng mit Hausärzten und Diabetologen zusammen, besonders bei Patienten mit Vorerkrankungen."

10. Helfen Hausmittel gegen Parodontose?

Patienten suchen häufig nach natürlichen Hausmitteln gegen wackelnde Zähne oder Zahnfleischrückgang. Es kursieren Tipps wie Ölziehen (z.B. mit Kokosöl), Spülungen mit Salzwasser, Kamille, Salbei oder das Auftragen von Teebaumöl.

Wichtiger Hinweis zu Hausmitteln Hausmittel besitzen oftmals eine entzündungshemmende oder antibakterielle Komponente und können akute Beschwerden lindern. Aber: Sie dringen niemals tief genug in die Zahnfleischtasche ein, um den harten bakteriellen Biofilm auf der Zahnwurzel aufzubrechen. Hausmittel können eine zahnärztliche Parodontitis-Therapie niemals ersetzen. Unbehandelt schreitet der Knochenabbau trotz Spülungen weiter voran.

11. Häufige Patientenfragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis?
Umgangssprachlich werden beide Begriffe synonym verwendet. Medizinisch beschreibt „Parodontose" (Endung -ose) einen nicht-entzündlichen, degenerativen Zahnfleischrückgang. „Parodontitis" (Endung -itis) bezeichnet die bakteriell verursachte Entzündung des Zahnhalteapparates mit Knochenabbau – die Form, an der die überwiegende Mehrheit der Patienten leidet.
Ist Parodontitis ansteckend?
Bakterien, die Parodontitis auslösen, können z.B. durch Speichel (Lebenspartner, Küssen, gemeinsames Besteck) übertragen werden. Allerdings erkrankt man nicht zwingend daran. Der Ausbruch der Entzündung und deren Schweregrad hängen massiv von der eigenen Mundhygiene und dem individuellen (oft genetisch bestimmten) Immunsystem ab.
Ist Parodontitis heilbar oder nur aufhaltbar?
Parodontitis ist eine chronische Erkrankung und kann nicht im klassischen Sinne „geheilt" werden, da einmal verlorener Kieferknochen sich nur begrenzt regeneriert. Durch eine systematische Behandlung (AIT) und eine konsequente, lebenslange Nachsorge (UPT) kann die Erkrankung jedoch dauerhaft kontrolliert und der weitere Knochenabbau gestoppt werden.
Wie häufig ist Parodontitis in Deutschland?
Sehr häufig. Laut der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) sind etwa 65 % der jüngeren Erwachsenen (35–44 Jahre) und über 90 % der älteren Senioren (75–100 Jahre) von einer Form der Parodontitis betroffen [1]. Parodontitis ist die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter.
Was kostet eine Parodontosebehandlung?
Seit der PAR-Richtlinie (Juli 2021) übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für die systematische Basisbehandlung (AIT) sowie die strukturierte Nachsorge (UPT). Eigenleistungen können für die PZR, DNA-Bakterientests, Lasertherapie oder chirurgische Knochenaufbaumaßnahmen anfallen.
Werden lockere Zähne nach einer Behandlung wieder fester?
Ja, das ist oft möglich. Je früher die Entzündung gestoppt wird und je mehr gesunder Kieferknochen noch vorhanden ist, desto höher ist die Chance, dass sich der Zahnhalteapparat stabilisiert. Ein stark wackelnder Zahn mit extrem fortgeschrittenem Knochenabbau kann jedoch oftmals nur noch entfernt werden.
Kann man durch Parodontitis Zähne verlieren?
Ja. Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen. Im Endstadium (Stadium IV) ist der Kieferknochen so weit abgebaut, dass die Zähne ihren Halt verlieren. Umso wichtiger ist die frühzeitige Diagnose und Behandlung.
Ich habe Parodontitis. Kommt eine Implantatversorgung in Frage?
Grundsätzlich ja. Allerdings muss die Parodontitis vor dem Setzen eines Zahnimplantats erfolgreich behandelt und die Entzündungsfreiheit hergestellt sein. Sonst können die gleichen Bakterien das Gewebe um das neue Implantat befallen (sogenannte Periimplantitis) und zum Implantatverlust führen [9].
Ist Parodontitis während der Schwangerschaft gefährlich?
Ja. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht erhöhen kann [6]. Hormonelle Veränderungen begünstigen Zahnfleischentzündungen zusätzlich. Ein Zahnarztbesuch im 2. Trimester wird ausdrücklich empfohlen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzerkrankungen?
Ja. Parodontitis-Bakterien und Entzündungsstoffe gelangen über das Blut in den Körper und können Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) fördern [10]. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch Diabetes und Parodontitis verstärken sich gegenseitig [5].
Verursacht Parodontitis Mundgeruch?
Ja. Fauliger Mundgeruch (Halitosis) ist eines der häufigsten Symptome. Ursache sind flüchtige Schwefelverbindungen, die von anaeroben Bakterien in den tiefen Zahnfleischtaschen produziert werden. Wenn Mundgeruch trotz guter Pflege persistiert, sollte eine Parodontitis abgeklärt werden.
Was ist Staging und Grading bei Parodontitis?
Seit 2018 wird Parodontitis nach dem Staging (Stadium I–IV, Schweregrad/Komplexität) und dem Grading (Grad A–C, Progressionsrate/Risikoprofil) klassifiziert [2]. Dieses System ersetzt die Begriffe „chronisch" und „aggressiv" und ermöglicht eine individualisierte Therapieplanung.
Kann Parodontitis vererbt werden?
Die Krankheit selbst wird nicht vererbt. Wohl aber die Neigung des Immunsystems, auf Plaque-Bakterien aggressiv zu reagieren. Etwa ein Drittel des Parodontitis-Risikos wird durch genetische Faktoren mitbestimmt.
Wie kann man Parodontitis vorbeugen?
Die wichtigsten Maßnahmen: 2× täglich gründliches Zähneputzen (mind. 2 Min.), tägliche Interdentalreinigung, 2× jährlich professionelle Zahnreinigung (PZR), Rauchstopp und gute Kontrolle von Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus.
Hilft eine Laserbehandlung gegen Parodontitis?
Laserverfahren und die photodynamische Therapie (aPDT) können ergänzend zur mechanischen Reinigung eingesetzt werden. Die aktuelle S3-Leitlinie der DG PARO sieht jedoch keinen gesicherten zusätzlichen Nutzen gegenüber der alleinigen konventionellen Therapie (AIT) [8]. Laserbehandlungen sind keine Kassenleistung und können die mechanische Belagentfernung nicht ersetzen.
Helfen Hausmittel wie Ölziehen gegen Parodontose?
Hausmittel wie Ölziehen, Salzwasser- oder Kamillespülungen können Beschwerden kurzfristig lindern. Aber: Sie dringen niemals tief genug in die Zahnfleischtasche ein, um den bakteriellen Biofilm auf der Zahnwurzel zu entfernen. Sie können eine professionelle Therapie niemals ersetzen.
Wissenschaftliche Quellen & Leitlinien

Die ECDI arbeitet evidenzbasiert. Dieser Artikel stützt sich auf die folgenden aktuellen Leitlinien und Studien:

  1. Jordan, A. R., Micheelis, W., et al. (2016): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). IDZ-Materialienreihe, Bd. 35. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), Köln. IDZ-Link
  2. Tonetti, M. S., Greenwell, H., & Kornman, K. S. (2018): Staging and grading of periodontitis: Framework and proposal of a new classification and case definition. J Periodontol, 89(Suppl 1), S159-S172. DOI: 10.1002/JPER.18-0006
  3. Tonetti, M. S., Jepsen, S., Jin, L., & Otomo-Corgel, J. (2017): Impact of the global burden of periodontal diseases on health, nutrition and wellbeing of mankind. Journal of Clinical Periodontology. DOI: 10.1111/jcpe.12732
  4. Warnakulasuriya, S., Dietrich, T., et al. (2018): Role of Smoking in Pathogenesis of Periodontitis. American Journal of Preventive Medicine.
  5. Lalla, E. & Papapanou, P. N. (2011): Diabetes mellitus and periodontitis: a tale of two common interrelated diseases. Nature Reviews Endocrinology, 7(12), 738-748. DOI: 10.1038/nrendo.2011.106
  6. Sanz, M. & Kornman, K. (2013): Periodontitis and adverse pregnancy outcomes: consensus report. J Clin Periodontol, 40(Suppl 14), S164-S169. DOI: 10.1111/jcpe.12016
  7. Trombelli, L., Farina, R., Silva, C. O., & Tatakis, D. N. (2018): Plaque-induced gingivitis: Case definition and diagnostic considerations. J Clin Periodontol, 45(Suppl 20), S44-S67. DOI: 10.1111/jcpe.12939
  8. DG PARO / DGZMK (2020): S3-Leitlinie Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III. AWMF-Registernr.: 083-043. AWMF-Register
  9. Heitz-Mayfield, L. J., & Salvi, G. E. (2018): Peri-implantitis: What are the risk indicators? Journal of Clinical Periodontology. DOI: 10.1111/jcpe.12860
  10. Sanz, M., Marco del Castillo, A., Jepsen, S., et al. (2020): Periodontitis and cardiovascular diseases: Consensus report (EFP/WHF). J Clin Periodontol, 47(3), 268-288. DOI: 10.1111/jcpe.13189
  11. Dominy, S. S., Lynch, C., Ermini, F., et al. (2019): Porphyromonas gingivalis in Alzheimer's disease brains: Evidence for disease causation and treatment with small-molecule inhibitors. Science Advances, 5(1), eaau3333. DOI: 10.1126/sciadv.aau3333
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur über die ECDI-Arztsuche in einem persönlichen Beratungsgespräch möglich.

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  • Implantate sind nicht für jeden geeignet. Bei Risiken wie Erkrankungen oder schlechter Mundhygiene ist klassischer Zahnersatz oft die bessere Wahl.

  • Brücken sind günstiger und schneller als Implantate, erfordern aber Zahnsubstanzverlust und können ästhetische Nachteile bringen.

  • Implantate brauchen Zeit zum Einheilen – wie ein Knochenbruch. Gute Hygiene, Rauchverzicht und Geduld fördern die Heilung und den Erfolg.

  • Die Implantation ist ein geplanter Routineeingriff. Kühlung, Hygiene und ggf. Medikamente helfen, Schwellung und Schmerzen gering zu halten.