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Medizinischer Ratgeber

Karies: Ursachen, Symptome, Stadien und Behandlung

Veröffentlicht: 17.02.2021 Aktualisiert: 10.03.2026 Autor: Dr. med. dent. Sebastian Becher ICD-10 Code: K02 Lesezeit: 22 Min.

Was ist Karies? Karies (Zahnfäule) ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit der Zähne, bei der Säuren aus dem Zuckerstoffwechsel die Zahnhartsubstanz (Zahnschmelz und Dentin) entmineralisieren und schrittweise zerstören. Laut der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6, 2025) sind 77,6 % der 12-Jährigen in Deutschland heute kariesfrei.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Ursache: Karies entsteht immer durch das Zusammenspiel von Bakterien (Zahnbelag/Plaque), zuckerhaltiger Ernährung und unzureichender Mundhygiene.
  • Erste Warnzeichen: Kreidige, weiße oder bräunliche Flecken auf der Zahnoberfläche. In diesem frühen Stadium (Initialkaries) ist eine Remineralisierung durch Fluorid oft noch möglich.
  • Fortgeschrittenes Stadium: Spätestens bei Temperatur-Empfindlichkeit (heiß/kalt), Schmerzen bei Süßem oder sichtbaren Löchern in den Zähnen muss eine zahnärztliche Behandlung erfolgen.
  • Vorbeugung: Zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, Zahnseide nutzen, zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten meiden und regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle gehen [1].
  • Aktuelle Daten: Die DMS 6 (2025) zeigt: Bei Erwachsenen sank der DMFT von 11,2 auf 8,3 Zähne – ein historischer Präventionserfolg [2].
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Dr. Sebastian Becher

Dieser evidenzbasierte Fachratgeber wurde verfasst von:
Dr. med. dent. Sebastian Becher
Zahnarzt, Fachzahnarzt für Parodontologie, erfahrener Implantologe der ECDI.

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1. Wie entsteht Karies genau?

Das Wort „Karies" stammt aus dem Lateinischen (caries) und bedeutet so viel wie „Morschheit" oder „Fäulnis". Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man schlicht vom „Loch im Zahn".

In unserer Mundhöhle leben hunderte von Bakterienarten, die für eine gesunde Mundflora wichtig sind. Einige dieser Bakterien (vor allem Streptococcus mutans und Laktobazillen) ernähren sich jedoch mit Vorliebe von Zucker aus unserer Nahrung. Als Abfallprodukt ihres Stoffwechsels scheiden sie Säuren aus.

Nahaufnahme von initialer Karies auf einem Backenzahn: Weiße und bräunliche Flecken auf der Kaufläche

Wenn sich diese Bakterien im Zahnbelag (Plaque) festsetzen und nicht weggeputzt werden, greift die produzierte Säure den harten Zahnschmelz an. Sie löst wichtige Mineralien heraus (Demineralisierung), was den Anfang eines Kariesbefalls bedeuten kann [4]. Das anfangs feste Schmelzgerüst wird porös und bricht mit der Zeit zusammen – die Karies ist entstanden.

„Mal eine Plaque-Färbetablette kauen und dann Zähne putzen. So lässt sich gut erkennen, wie es um die eigene Putzleistung steht. Vor allem aber: Weniger Zucker essen, denn Zucker ist der Hauptgrund für Karies."

Exkurs: Der Unterschied zwischen Plaque und Zahnstein

Ein häufiges Missverständnis von Patienten betrifft den Unterschied zwischen weichem Zahnbelag und hartem Zahnstein. Für die Entstehung von Karies ist primär die frische, weiche Plaque verantwortlich. Zahnstein hingegen ist in erster Linie ein wesentlicher Risikofaktor für Entzündungen des Zahnfleisches (Parodontitis).

Detaildarstellung: Plaque und Zahnbelag auf den Zähnen – weicher bakterieller Biofilm

Plaque (Zahnbelag)

Ein weicher, klebriger Biofilm aus lebenden Bakterien, Speichel und Nahrungsresten. Genau hier produzieren die Bakterien die zahnschädigende Säure, die Karies auslöst. Plaque lässt sich durch gründliches Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide zu Hause entfernen.

Mehr über Plaque erfahren
Detaildarstellung: Zahnstein an der Innenseite der unteren Schneidezähne

Zahnstein

Wird Plaque nicht entfernt, lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein und verkalken sie – es entsteht harter Zahnstein. Er verursacht selbst keine Karies, bietet aber eine sehr raue Oberfläche, an der sich neue Plaque noch schneller anheften kann. Zahnstein lässt sich nur professionell in der Zahnarztpraxis entfernen.

Mehr über Zahnstein erfahren

2. Ursachen & Risikofaktoren

Karies entsteht nicht durch einen einzigen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Ursachen. In der Zahnmedizin wird dies durch die sogenannte Karieswaage erklärt: Überwiegen die schädlichen Faktoren die schützenden, entsteht Karies.

Bakterien (Plaque)

Kariesverursachende Bakterien – vor allem Streptococcus mutans – bilden auf der Zahnoberfläche einen klebrigen Biofilm (Plaque). Aus Zucker produzieren sie organische Säuren (vor allem Milchsäure), die den pH-Wert senken und den Zahnschmelz angreifen.

Zuckerhaltige Ernährung

Nicht die Gesamtmenge an Zucker ist entscheidend, sondern die Häufigkeit des Zuckerkontakts. Jeder Zuckerkonsum löst einen etwa 30-minütigen Säureangriff aus. Häufige Zwischenmahlzeiten sind besonders schädlich [7].

Zeit & Mundhygiene

Je länger Plaque ungestört auf der Zahnoberfläche verbleibt, desto mehr Säure wird produziert. Werden die Zähne nicht regelmäßig und gründlich geputzt, hat die Karies leichtes Spiel.

Speichel & individuelle Faktoren

Speichel neutralisiert Säuren, spült Nahrungsreste weg und liefert Mineralien zur Reparatur (Remineralisierung). Ein verminderter Speichelfluss – etwa durch Medikamente – erhöht das Kariesrisiko erheblich. Auch Zahnschmelzdicke und Zahnstellung spielen eine Rolle.

„Mal eine Plaque-Färbetablette kauen und dann Zähne putzen. So lässt sich gut erkennen, wie es um die eigene Putzleistung steht. Vor allem aber: Weniger Zucker essen, denn Zucker ist der Hauptgrund für Karies."

3. Karies in Deutschland (Epidemiologie)

Karies galt lange Zeit als Volkskrankheit. Durch verbesserte Aufklärung, systematische Prophylaxe und die breite Nutzung fluoridhaltiger Zahnpasta gehen die Zahlen stetig zurück. Die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6), die im März 2025 veröffentlicht wurde, belegt den historischen Präventionserfolg eindrucksvoll [2]:

Karies in Deutschland – DMS 6 (2025)

Kinder (12 Jahre) – kariesfrei 77,6 %
77,6 %
Kinder (8–9 Jahre) – kariesfrei 59,9 %
59,9 %
Erwachsene (35–44 J.) – kariesfrei 6,9 %
6,9 %
Senioren (65–74 J.) – zahnlos 5,0 %
5 %
  • 12-Jährige: 77,6 % kariesfrei, durchschnittlicher DMFT-Wert von nur 0,5 Zähnen. Die Karieslast bei Kindern wurde seit den 1990er-Jahren um 90 % gesenkt.
  • 8–9-Jährige (Milchzähne): 59,9 % kariesfrei, Karieserfahrung bei 1,4 Zähnen.
  • Erwachsene (35–44 Jahre): Der DMFT sank von 11,2 (DMS V, 2016) auf 8,3 Zähne. Nur 6,9 % sind vollständig kariesfrei.
  • Senioren (65–74 Jahre): Nur noch 5 % zahnlos (DMS IV: 23,2 %). Wurzelkaries betrifft jedoch 52,5 % dieser Altersgruppe.
Quelle: Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6), 2025
DMS 6 vs. DMS V – der Trend Der Vergleich zeigt: Prävention wirkt nachhaltig. Die Karieserfahrung hat sich bei Erwachsenen seit 1989 halbiert. Gleichzeitig hat der Zahnerhalt deutlich zugenommen – Senioren behalten heute durchschnittlich 19,6 statt 14,1 Zähne.

4. Symptome & Diagnose: Woran erkenne ich Karies?

Die Krankheitszeichen hängen stark davon ab, in welchem Stadium sich der betroffene Zahn befindet. Karies im Frühstadium verursacht oft noch keine Schmerzen. Achten Sie auf folgende Warnsignale:

  • Kreideartige, weiße Flecken auf der Zahnoberfläche (Initialkaries / „White Spots").
  • Bräunliche bis schwarze Verfärbungen an den Zahnfurchen (Fissuren) oder -rändern.
  • Mundgeruch (Halitosis) und ständige Ansammlung von Essensresten zwischen denselben Zähnen.
  • Empfindlichkeit gegenüber süßen, sauren, kalten oder heißen Speisen.
  • Sichtbare oder tastbare Löcher und raue Stellen auf dem Zahn.
  • Klopfempfindlichkeit oder pochende Schmerzen (Hinweis auf eine beginnende Entzündung des Zahnmarks).

Wie stellt der Zahnarzt Karies fest?

Für eine sichere Diagnose stehen dem Zahnarzt mehrere Methoden zur Verfügung:

1

Visuelle Inspektion

Genaue Untersuchung der Zähne unter Licht, mit Spiegel und Sonde – die Basisdiagnostik bei jedem Kontrolltermin.

2

Röntgen (Bissflügelaufnahmen)

Unverzichtbar, um Karies zwischen den Zähnen (Approximalkaries) oder unter bestehenden Füllungen zu erkennen.

3

Laser-Fluoreszenz (DIAGNOdent)

Ein Laser misst die Fluoreszenz des Zahnschmelzes und kann verborgene Karies in Fissuren aufspüren – schmerzfrei und strahlungsfrei.

4

ICDAS-Klassifikation

Standardisiertes internationales Bewertungssystem, das den Karies-Schweregrad von 0 (gesund) bis 6 (ausgedehnte Kavität) einteilt.

Wann zum Zahnarzt? Ein dauerhafter, ziehender oder pochender Zahnschmerz ist ein medizinisches Alarmsignal. In diesem Fall hat die Karies bereits die tieferen Schichten (Dentin) oder sogar den Zahnnerv (Pulpa) erreicht. Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin, um einen Zahnverlust oder schwerwiegende Entzündungen zu vermeiden.

5. Die 4 Stadien der Karies (Verlauf)

Karies ist ein schleichender Prozess. Wird er nicht durch eine zahnärztliche Intervention oder verbesserte Mundhygiene gestoppt, dringt die Erkrankung immer tiefer in den Zahn ein.

Grafik: Kariesverlauf in 4 Stadien von Initialkaries bis zum Zahnmark (Pulpa)
Stadium Betroffene Struktur Symptome Behandlung
1. Initialkaries Zahnschmelz (Oberfläche) Weiße Flecken, keine Schmerzen Fluoridierung, Remineralisation
2. Schmelzkaries Zahnschmelz (Tiefe) Braune Flecken, kleines Loch, meist schmerzfrei Füllung (Komposit)
3. Dentinkaries Zahnbein (Dentin) Schmerzen bei Kälte/Wärme, schnellere Ausbreitung Füllung oder Teilkrone
4. Pulpakaries Zahnmark (Pulpa/Nerv) Starke, pochende Schmerzen, ggf. Schwellung Wurzelkanalbehandlung oder Extraktion

6. Karies vorbeugen (Prophylaxe)

Karies lässt sich durch konsequente Vorbeugung wirksam vermeiden. Die vier Säulen der Kariesprävention sind: Fluorid, Mundhygiene, Ernährung und zahnärztliche Kontrolle [1].

Fluorid – der wichtigste Schutzfaktor

Fluorid stärkt den Zahnschmelz, indem es Mineralien wieder einlagert (Remineralisierung) und die Bakterien an der Säureproduktion hemmt [5].

  • Erwachsene: Zahnpasta mit 1.000–1.500 ppm Fluorid, 2× täglich für mindestens 2 Minuten.
  • Kinder ab 6 Jahren: Zahnpasta mit 1.000–1.500 ppm Fluorid (erbsengroße Menge).
  • Kinder unter 6 Jahren: 1.000 ppm Fluorid (reiskorngroß bis 2 Jahre, erbsengroß ab 2 Jahre).
  • Zusätzlich: Fluoridiertes Speisesalz, professionell aufgetragener Fluoridlack.

Mundhygiene

Gründliches Zähneputzen 2× täglich ist die Basis. Ergänzend sollte einmal täglich eine Zahnzwischenraumpflege mit Zahnseide oder Interdentalbürsten erfolgen, da die Zahnbürste nur ca. 60 % der Zahnoberflächen erreicht.

Fissurenversiegelung

Die tiefen Furchen (Fissuren) der Backenzähne sind besonders kariesanfällig, da sie schwer zu reinigen sind. Bei Kindern und Jugendlichen (6–17 Jahre) wird die Versiegelung der bleibenden Backenzähne mit einem dünnfließenden Kunststoff von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen [6].

Professionelle Zahnreinigung (PZR)

Bei einer PZR entfernt die Dentalhygienikerin Zahnstein, Plaque und Verfärbungen auch an schwer erreichbaren Stellen. Die DMS 6 zeigt, dass regelmäßige PZR den Zahnerhalt verbessert, obwohl bislang nur ca. 25 % der Senioren diese Maßnahme halbjährlich wahrnehmen.

Alles über die PZR erfahren

7. Karies bei Kindern & Milchzähnen

Kinder sind besonders anfällig für Karies, denn der Zahnschmelz von Milchzähnen ist dünner und weicher als bei bleibenden Zähnen. Auch frisch durchgebrochene bleibende Zähne sind in den ersten Monaten noch nicht vollständig mineralisiert und daher kariesanfällig.

Nuckelflaschenkaries (Early Childhood Caries, ECC)

Ein besonderes Risiko besteht, wenn Kleinkinder über längere Zeit an einer Flasche mit gesüßtem Tee, Saft oder Milch nuckeln – vor allem nachts, wenn der Speichelfluss reduziert ist. Die Zähne werden dabei regelrecht in Zucker gebadet. Besonders betroffen sind die oberen Schneidezähne.

Milchzahnkaries ist kein Kavaliersdelikt Unbehandelte Karies an Milchzähnen kann zu Schmerzen, Abszessen und vorzeitigem Zahnverlust führen. Fehlen Milchzähne zu früh, können bleibende Zähne schief nachwachsen und Fehlstellungen (Platzmangel) entstehen. Zudem steigt das Kariesrisiko im gesamten Gebiss.

Fluorid bei Kindern: Tablette oder Zahnpasta?

Seit 2021 gilt die einheitliche Empfehlung der Fachgesellschaften:

1. Lebensjahr – Option A

Fluoridtabletten (in Kombination mit Vitamin D) + fluoridfreie Zahnpasta zum Putzen.

1. Lebensjahr – Option B

Fluoridhaltige Zahnpasta (1.000 ppm, reiskorngroße Menge) + Vitamin D ohne Fluorid.

Ab dem 2. Lebensjahr wird die fluoridhaltige Zahnpasta generell empfohlen (erbsengroße Menge, 1.000 ppm). Eine Doppelgabe (Tablette + Zahnpasta) sollte vermieden werden, um eine Überdosierung (Fluorose) auszuschließen.

8. Ernährung & Karies

Die Ernährung beeinflusst das Kariesrisiko maßgeblich – nicht nur über die Zuckermenge, sondern vor allem über die Häufigkeit und Art des Zuckerkonsums [7].

Wissen

Die 30-Minuten-Regel

Nach jedem Zuckerkonsum braucht der Speichel ca. 30 Minuten, um den pH-Wert zu neutralisieren. Wer 5× am Tag nascht, setzt seine Zähne 5× einem Säureangriff aus. Drei Hauptmahlzeiten plus maximal eine Zwischenmahlzeit schonen die Zähne deutlich mehr.

Achtung

Versteckte Zucker

Viele Lebensmittel enthalten versteckten Zucker: Ketchup, Fruchtjoghurt, Müsliriegel, Fruchtsäfte und Smoothies. Auch natürlicher Fruchtzucker (Fructose) und Honig können Karies verursachen.

Tipp

Zahnfreundliche Alternativen

Xylit (Birkenzucker) hemmt Kariesbakterien. Kaugummis mit Xylit regen den Speichelfluss an. Wasser und ungesüßte Tees sind ideal. Käse enthält Kalzium und fördert die Remineralisierung.

9. Behandlung & Zahnfüllungen

Sobald die Kariesinfektion über die Oberfläche hinaus bis in tiefere Schichten des Zahns vorgedrungen ist, wird eine professionelle Kariesbehandlung unumgänglich [3]. Ist die Oberfläche eingebrochen, muss der Zahnarzt die erweichte, mit Bakterien infizierte Zahnsubstanz restlos entfernen – in der Regel durch Bohren unter örtlicher Betäubung. Danach wird der entstandene Hohlraum bakteriendicht versiegelt.

Moderne Alternativen zum Bohren

Kariesinfiltration (Icon-Methode)

Bei beginnender Karies (Initialkaries, die noch kein echtes Loch gebildet hat) kann die Kariesinfiltration eine schonende Alternative sein. Ein spezieller dünnfließender Kunststoff wird in die poröse Stelle eingebracht, versiegelt die Mikrohohlräume und stoppt das Fortschreiten – ohne Bohren, ohne Betäubung. Die Kosten liegen bei ca. 80–100 € pro Zahn (Privatleistung/IGeL).

Füllungsmaterialien im Vergleich

Für die Füllung stehen verschiedene Materialien zur Verfügung:

Zahnfarbene Komposit-Kunststofffüllung im Backenzahn nach Kariesbehandlung

Composite (Kunststofffüllung)

  • Gute Ästhetik: Das Material ist zahnfarben und optisch kaum vom natürlichen Zahn zu unterscheiden.
  • Substanzschonend: Es wird in mehreren Schichten direkt mit dem Zahn verklebt (Adhäsivtechnik), weshalb weniger gesunde Zahnsubstanz abgetragen werden muss.
  • Kosten: Im Seitenzahnbereich fällt bei hochwertiger Mehrschichttechnik oft eine Zuzahlung von ca. 30–80 € an. Seit 2025 erstattet die GKV selbsthaftende Füllungsmaterialien als Amalgam-Ersatz.
Ausführlicher Ratgeber: Zahnfüllungen
Hochwertiges Keramik-Inlay vor dem Einsetzen in den präparierten Zahn

Keramik-Inlay

  • Hohe Ästhetik: Die Keramik bietet eine gute Lichtbrechung und dauerhafte Farbbeständigkeit (kein Verfärben wie bei einigen Kunststoffen nach mehreren Jahren).
  • Langlebigkeit: Keramik ist sehr abriebfest und biokompatibel (körperverträglich). Die Fertigung erfolgt hochpräzise im zahntechnischen Labor oder digital per CEREC-Scan.
  • Aufwand & Kosten: Es handelt sich um eine Privatleistung mit Kosten von ca. 400–800 € pro Zahn. Zudem sind oft zwei Behandlungssitzungen erforderlich.
Ausführlicher Ratgeber: Inlays
Amalgam-Verbot seit 2025 Seit dem 1. Januar 2025 sind Amalgam-Füllungen in der EU aus Umweltschutzgründen verboten. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten seitdem selbsthaftende Füllungsmaterialien als Alternative. Bestehende Amalgam-Füllungen müssen nicht entfernt werden, solange sie intakt sind.
Alles über Amalgamfüllungen erfahren

10. Wurzelkaries – ein unterschätztes Risiko

Wurzelkaries betrifft die freiliegende Zahnwurzel, wenn sich das Zahnfleisch zurückgezogen hat (Zahnfleischrückgang/Rezession). Da das Wurzelzement deutlich weicher ist als der Zahnschmelz, schreitet Wurzelkaries schneller voran und ist schwieriger zu behandeln.

52,5 %
der 65–74-Jährigen in Deutschland sind laut DMS 6 (2025) von Wurzelkaries betroffen – eine Zahl, die angesichts der alternden Bevölkerung und des verbesserten Zahnerhalts (weniger Zahnlosigkeit) weiter steigen wird [2].

Wer ist besonders gefährdet?

Senioren mit freiliegenden Zahnhälsen Patienten mit Mundtrockenheit (Medikamente) Eingeschränkte Feinmotorik (Parkinson, Rheuma) Pflegebedürftige Personen

Prävention von Wurzelkaries

Besonders wichtig sind: Fluoridhaltige Zahnpasta mit höherer Konzentration (5.000 ppm auf Rezept), regelmäßige professionelle Zahnreinigung, Zahnzwischenraumpflege mit Interdentalbürsten und ggf. CHX-haltige Spüllösungen nach ärztlicher Empfehlung.

11. Karies & Zahnimplantate (ECDI-Fokus)

Patienten fragen im Vorfeld einer Implantation häufig: Können Zahnimplantate Karies bekommen?

Die Antwort lautet nein. Da Implantate (Titan oder Keramik) sowie die darauf befestigten Kronen aus künstlichen Materialien bestehen, können Kariesbakterien diese nicht zersetzen.

Allerdings gilt es zu beachten: Die gleichen Plaque-Bakterien, die bei natürlichen Zähnen Karies auslösen, können das Zahnfleisch und den Knochen rund um das Implantat entzünden. Dieses Krankheitsbild wird als Periimplantitis bezeichnet und ist die häufigste Komplikation nach einer Implantation. Ohne eine optimale Mundhygiene besteht das Risiko, das Implantat auf Dauer zu verlieren.

ECDI-Empfehlung: Karies vor Implantation sanieren Vor dem Setzen eines Zahnimplantats sollten alle bestehenden Karies- und Parodontitis-Befunde behandelt werden. Eine bakterielle Belastung im Mund erhöht das Risiko einer Periimplantitis erheblich. Die ECDI-Zentren führen daher grundsätzlich eine umfassende Befundaufnahme und ggf. Vorbehandlung durch.

12. Häufige Patientenfragen (FAQ)

Ist Karies ansteckend?
Ja, Karies ist medizinisch gesehen eine bakterielle Infektion. Die kariesverursachenden Bakterien (z. B. Streptococcus mutans) können von Mensch zu Mensch übertragen werden – oftmals von Eltern auf ihre Kleinkinder durch das Ablecken von Löffeln oder Schnullern. Eine Erkrankung bricht jedoch meist erst aus, wenn zusätzlich viel Zucker konsumiert und die Zähne nicht ausreichend geputzt werden.
Kann sich Karies wieder zurückbilden (heilen)?
Im ersten Frühstadium (Initialkaries), das an weißen, kreidigen Flecken erkennbar ist, kann der Mineralverlust durch das Auftragen von Fluoridlacken und eine strikte Mundhygiene oft noch repariert (remineralisiert) werden [1]. Sobald die Oberfläche eingebrochen ist und ein echtes Loch (Kavität) besteht, ist der Prozess unumkehrbar und eine zahnärztliche Behandlung ist erforderlich.
Wie schnell frisst sich Karies in den Zahn?
Die Säurebildung der Bakterien beginnt bereits wenige Minuten nach dem Verzehr von Zucker. Der eigentliche Zerstörungsprozess des Zahnschmelzes dauert meist mehrere Monate bis zu zwei Jahre. Sobald jedoch das weichere Zahnbein (Dentin) erreicht ist, kann sich die Karies innerhalb weniger Wochen schnell ausbreiten und den Zahnnerv erreichen.
Ist Karies bei Milchzähnen schlimm?
Ja, Karies an Milchzähnen ist ernst zu nehmen und kein Kavaliersdelikt. Unbehandelte Milchzahnkaries kann zu Schmerzen, Abszessen und vorzeitigem Zahnverlust führen. Fehlen Milchzähne zu früh, können die bleibenden Zähne schief nachwachsen und es entstehen Fehlstellungen. Zudem stellt ein kariöser Milchzahn ein Bakterienreservoir dar, das die Kariesgefahr für die nachwachsenden bleibenden Zähne erhöht.
Was kostet eine Kariesbehandlung?
Die Kosten hängen vom Füllungsmaterial und der Größe des Defekts ab. Seit 2025 erstattet die GKV selbsthaftende Füllungsmaterialien als Amalgam-Ersatz. Hochwertige Komposit-Füllungen im Seitenzahnbereich (Mehrschichttechnik) erfordern oft eine private Zuzahlung von ca. 30–80 € pro Zahn. Keramik-Inlays aus dem Labor kosten ca. 400–800 € pro Zahn und sind reine Privatleistungen.
Wie sieht Karies aus? Kann man Karies selbst erkennen?
Karies im Frühstadium zeigt sich als kreidige, weiße Flecken auf der Zahnoberfläche (sog. „White Spots"). Im weiteren Verlauf entstehen bräunliche bis schwarze Verfärbungen sowie sichtbare Löcher. Zwischen den Zähnen (Approximalkaries) ist Karies allerdings oft nur per Röntgenaufnahme erkennbar. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind daher unverzichtbar.
Was hilft gegen Karies außer Bohren?
Bei Initialkaries (ohne Loch) kann eine Remineralisierung mit Fluoridlack oder -gel helfen. Die Kariesinfiltration (Icon-Methode) füllt poröse Stellen mit flüssigem Kunststoff – ohne Bohren, ohne Betäubung. Fissurenversiegelungen schützen Backenzähne vorbeugend. Ist jedoch ein echtes Loch im Zahn entstanden, ist eine konventionelle Füllung unvermeidbar.
Hilft Xylit (Birkenzucker) gegen Karies?
Xylit (Birkenzucker) kann das Kariesrisiko senken, da Kariesbakterien diesen Zuckeraustauschstoff nicht in Säure umwandeln können. Studien zeigen, dass Xylit-Kaugummis nach dem Essen den Speichelfluss anregen und die Säureproduktion reduzieren. Xylit ist jedoch kein Ersatz für Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
Kann Karies auf andere Zähne übergreifen?
Karies „springt" nicht direkt von Zahn zu Zahn, aber die kariesverursachenden Bakterien befinden sich im gesamten Mundraum. Ein unbehandelter kariöser Zahn stellt ein Bakterienreservoir dar, das die Kariesgefahr für benachbarte Zähne – insbesondere an den Kontaktflächen (Approximalflächen) – deutlich erhöht.
Verursacht Karies Mundgeruch?
Ja, Karies kann zu Mundgeruch (Halitosis) führen. In kariösen Hohlräumen sammeln sich Speisereste und Bakterien, die beim Zersetzen übelriechende Schwefelverbindungen freisetzen. Anhaltender Mundgeruch sollte immer zahnärztlich abgeklärt werden, da er auch auf Parodontitis oder andere Erkrankungen hinweisen kann.
Was ist Sekundärkaries (Karies unter einer Füllung)?
Sekundärkaries entsteht am Rand einer bestehenden Füllung, wenn sich dort im Laufe der Zeit ein mikroskopischer Spalt bildet. Bakterien dringen in diesen Spalt ein und greifen den Zahn erneut an. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind wichtig, um Sekundärkaries frühzeitig zu erkennen – oft ist sie nur per Röntgenbild sichtbar.
Wann muss ein Zahn wegen Karies gezogen werden?
Ein Zahn muss extrahiert werden, wenn die Karies so weit fortgeschritten ist, dass weder eine Füllung noch eine Wurzelkanalbehandlung ihn retten kann – etwa bei ausgedehnter Zerstörung der Zahnsubstanz oder einer bakteriellen Infektion des Kieferknochens. Der fehlende Zahn kann anschließend durch ein Zahnimplantat ersetzt werden.
Was ist Wurzelkaries?
Wurzelkaries betrifft die freiliegende Zahnwurzel, wenn sich das Zahnfleisch zurückgezogen hat (Rezession). Laut DMS 6 (2025) sind 52,5 % der 65–74-Jährigen betroffen. Da das Wurzelzement weicher ist als Zahnschmelz, schreitet Wurzelkaries schneller voran. Besonders Senioren und Patienten mit Parodontitis sollten auf gründliche Zahnzwischenraumpflege achten und regelmäßig zur Kontrolle gehen.
Wissenschaftliche Quellen & Leitlinien

Die ECDI arbeitet evidenzbasiert. Dieser Artikel stützt sich auf die folgenden aktuellen Leitlinien und Studien:

  1. DGZ & DGZMK (2016): S2k-Leitlinie Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen. AWMF-Registernr.: 083-021. (In Überarbeitung)
  2. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) (2025): Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Veröffentlicht am 17. März 2025.
  3. Schwendicke F. et al. (2021): Interventions for treating cavitated or dentine carious lesions. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD013039.pub2
  4. Meyer-Lückel, H., Paris, S., Ekstrand, K. R. (2012): Karies: Wissenschaft und Klinische Praxis. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  5. Walsh T. et al. (2019): Fluoride toothpastes of different concentrations for preventing dental caries. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD007868.pub3
  6. Kashbour W. et al. (2020): Pit and fissure sealants versus fluoride varnishes for preventing dental decay in the permanent teeth of children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD003067.pub5
  7. World Health Organization (2022): Global Oral Health Status Report: Towards Universal Health Coverage for Oral Health by 2030. WHO, Genf.
  8. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) (2016): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Köln: Deutscher Zahnärzte Verlag DÄV. (Historischer Vergleich)
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist nur über die ECDI-Arztsuche in einem persönlichen Beratungsgespräch möglich.

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  • Die Implantation ist ein geplanter Routineeingriff. Kühlung, Hygiene und ggf. Medikamente helfen, Schwellung und Schmerzen gering zu halten.